Branchen-Ratgeber

Digitalisierung im Handwerk: So modernisierst du deinen Betrieb

Praktischer Leitfaden zur Digitalisierung im Handwerk. Mit konkreten Software-Empfehlungen, Kosten und Schritt-für-Schritt Anleitung für Handwerksbetriebe.

18 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 20.1.2025

Die Digitalisierung im Handwerk ist keine Zukunftsmusik mehr – sie ist Realität. Betriebe, die jetzt nicht handeln, verlieren den Anschluss an ihre Wettbewerber und an die Erwartungen ihrer Kunden.

Aber wo fängt man an? Welche Software lohnt sich wirklich? Und wie viel kostet das Ganze? In diesem Leitfaden bekommst du konkrete Antworten, keine Marketing-Floskeln.

Wir zeigen dir, welche digitalen Tools für Handwerksbetriebe wirklich Sinn machen, was sie kosten und wie du sie Schritt für Schritt einführst.

Warum Digitalisierung im Handwerk jetzt wichtig ist

Der Fachkräftemangel trifft das Handwerk besonders hart. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden: schnelle Angebote, transparente Kommunikation, pünktliche Termine.

Digitalisierung ist die Antwort auf beide Probleme:

  • Weniger Verwaltungsaufwand: Automatisierte Prozesse sparen Zeit, die du für produktive Arbeit nutzen kannst
  • Bessere Kundenbindung: Schnelle Reaktionszeiten und professionelles Auftreten
  • Mehr Überblick: Alle Daten an einem Ort statt in Papierstapeln
  • Attraktiver Arbeitgeber: Junge Fachkräfte erwarten moderne Arbeitsplätze

Die gute Nachricht: Du musst nicht alles auf einmal machen. Schon kleine Schritte bringen große Verbesserungen.

Die wichtigsten Software-Bereiche für Handwerker

Nicht jede Software ist für jeden Betrieb sinnvoll. Hier die wichtigsten Bereiche, sortiert nach Priorität:

Rechnungsprogramm und Buchhaltung

Das ist der absolute Basis-Bereich. Ein gutes Rechnungsprogramm für Handwerker spart sofort Zeit und Geld.

Was es können sollte:

  • Angebote und Rechnungen erstellen
  • Kundendatenbank
  • Materialverwaltung
  • DATEV-Export für den Steuerberater
  • GoBD-konform (rechtssicher)

Empfohlene Software:

  • Lexoffice (ab 7€/Monat) – Einfach und günstig, ideal für kleine Betriebe
  • sevDesk (ab 9€/Monat) – Mehr Funktionen, gute Handwerker-Features
  • TAIFUN (ab 30€/Monat) – Speziell für Handwerker entwickelt
  • TopKontor (ab 40€/Monat) – Umfangreich, für größere Betriebe

Typische Zeitersparnis: 5-10 Stunden pro Woche

Auftragsmanagement und Projektplanung

Vom Angebot bis zur Rechnung alles im Blick behalten. Besonders wichtig, wenn du mehrere Projekte gleichzeitig hast.

Was es können sollte:

  • Auftragserfassung und -verfolgung
  • Terminplanung für Teams
  • Materiallisten und Bestellungen
  • Baustellendokumentation
  • Kundenkommunikation

Empfohlene Software:

  • Craftboxx (ab 29€/Monat) – Speziell für Handwerker, einfache Bedienung
  • openHandwerk (ab 19€/Monat) – Open Source Alternative
  • Streit V.1 (individuell) – Für größere Betriebe
  • Plancraft (ab 39€/Monat) – Modern, gute App

Typische Verbesserung: 30% weniger Koordinationsaufwand

Mobile Zeiterfassung

Schluss mit Stundenzetteln auf Papier. Deine Mitarbeiter erfassen ihre Zeiten direkt auf der Baustelle.

Was es können sollte:

  • App für Smartphone/Tablet
  • Projekt- und Auftragszuordnung
  • GPS-Zeitstempel (optional)
  • Export für Lohnbuchhaltung
  • Offline-Funktion

Empfohlene Software:

  • Clockodo (ab 5€/Nutzer/Monat) – Einfach und günstig
  • mite (ab 5€/Nutzer/Monat) – Minimalistisch
  • Zeitguru (ab 3€/Nutzer/Monat) – Speziell für Handwerker
  • Papershift (ab 4€/Nutzer/Monat) – Mit Dienstplanung

Typische Zeitersparnis: 2 Stunden pro Woche für die Abrechnung

Digitales Aufmaß

Besonders wichtig für Dachdecker, Maler, Fliesenleger und alle, die viel messen müssen.

Was es können sollte:

  • Aufmaß mit Laser oder Foto
  • Automatische Flächenberechnung
  • Integration in Angebotssoftware
  • PDF-Export
  • Cloud-Speicherung

Empfohlene Tools:

  • magicplan (ab 10€/Monat) – Grundrisse per Smartphone
  • Aufmaß Pro (ab 15€/Monat) – Speziell für Handwerker
  • PointMan (ab 20€/Monat) – Für komplexe Aufmaße
  • Bosch GLM (einmalig) – Laser mit App-Anbindung

Typische Zeitersparnis: 50% schnellere Aufmaße

Kundenkommunikation und CRM

Kunden erwarten heute schnelle Antworten. Ein CRM hilft dir, den Überblick zu behalten und professionell zu kommunizieren.

Was es können sollte:

  • Kundendatenbank mit Historie
  • Erinnerungen für Nachfassaktionen
  • E-Mail-Vorlagen
  • Angebotsverfolgung
  • Wiedervorlage für Wartungstermine

Empfohlene Software:

  • HubSpot CRM (kostenlos) – Mächtig, aber Einarbeitung nötig
  • Pipedrive (ab 15€/Monat) – Einfach und übersichtlich
  • Zoho CRM (ab 14€/Monat) – Viele Funktionen, günstig
  • In vielen Handwerker-Programmen bereits integriert

Typische Verbesserung: 20% mehr Auftragsabschlüsse

Handwerker Software im Vergleich: Die besten Komplettlösungen

Wenn du nicht viele Einzellösungen willst, gibt es All-in-One Lösungen speziell für Handwerker:

| Software | Preis/Monat | Besonders geeignet für | Stärken |

|----------|-------------|------------------------|---------|

| Craftboxx | ab 29€ | Kleine Betriebe | Einfache Bedienung, gute App |

| openHandwerk | ab 19€ | Kostenbewusste | Open Source, flexibel |

| TAIFUN | ab 30€ | SHK, Elektriker | Branchenlösungen |

| TopKontor | ab 40€ | Mittlere Betriebe | Umfangreich |

| Streit V.1 | individuell | Große Betriebe | ERP-Funktionen |

| Plancraft | ab 39€ | Moderne Betriebe | Beste App, Cloud-first |

Unsere Empfehlung: Für Betriebe mit 1-10 Mitarbeitern ist Craftboxx oder Plancraft ein guter Einstieg. Für größere Betriebe lohnt sich ein Blick auf TAIFUN oder Streit.

Digitalisierung Schritt für Schritt: Der Fahrplan

So gehst du die Digitalisierung deines Handwerksbetriebs systematisch an:

Phase 1: Basis schaffen (Monat 1-2)

Ziel: Die wichtigsten Verwaltungsprozesse digitalisieren

  1. Rechnungsprogramm einführen

- Kundendaten importieren

- Vorlagen für Angebote/Rechnungen erstellen

- Steuerberater-Export einrichten

  1. Cloud-Speicher einrichten

- Google Drive, Dropbox oder Microsoft 365

- Ordnerstruktur für Projekte anlegen

- Mitarbeiter einweisen

  1. Digitale Kommunikation

- Professionelle E-Mail-Adresse (nicht @gmail.com)

- WhatsApp Business für Kundenkontakt

- Automatische Antwort einrichten

Investition: ca. 50-100€/Monat + 2-3 Tage Einrichtung

Phase 2: Prozesse optimieren (Monat 3-6)

Ziel: Workflows automatisieren und Zeit sparen

  1. Auftragsmanagement einführen

- Von Anfrage bis Rechnung durchgängig digital

- Statusverfolgung für alle Projekte

- Terminplanung digitalisieren

  1. Mobile Zeiterfassung

- App auf Mitarbeiter-Smartphones

- Projekt-Zuordnung einrichten

- Lohnbuchhaltung automatisieren

  1. Digitales Aufmaß (falls relevant)

- Hardware beschaffen (Laser, Tablet)

- Software testen und einführen

- Mitarbeiter schulen

Investition: ca. 100-300€/Monat + 5-10 Tage Einrichtung

Phase 3: Wachstum ermöglichen (Monat 6-12)

Ziel: Skalierbare Strukturen aufbauen

  1. CRM und Marketing

- Kundendatenbank strukturieren

- Automatische Erinnerungen einrichten

- Bewertungen sammeln und nutzen

  1. Qualitätsmanagement

- Digitale Checklisten für wiederkehrende Arbeiten

- Fotodokumentation standardisieren

- Reklamationsmanagement

  1. Kennzahlen und Controlling

- Projekt-Auswertungen nutzen

- Zeiterfassungsdaten analysieren

- Wirtschaftlichkeit prüfen

Investition: ca. 200-500€/Monat + kontinuierliche Optimierung

Kosten der Digitalisierung im Handwerk

Was kostet die Digitalisierung eines Handwerksbetriebs realistisch?

Kleine Betriebe (1-5 Mitarbeiter):

| Bereich | Einmalig | Monatlich |

|---------|----------|-----------|

| Rechnungsprogramm | 0-200€ | 20-50€ |

| Cloud-Speicher | 0€ | 10-30€ |

| Zeiterfassung | 0€ | 25-50€ |

| Gesamt | 0-200€ | 55-130€ |

Mittlere Betriebe (6-20 Mitarbeiter):

| Bereich | Einmalig | Monatlich |

|---------|----------|-----------|

| Handwerkersoftware | 500-2.000€ | 100-300€ |

| Zeiterfassung | 0-500€ | 50-150€ |

| Hardware (Tablets etc.) | 1.000-3.000€ | - |

| Schulung | 500-1.500€ | - |

| Gesamt | 2.000-7.000€ | 150-450€ |

Return on Investment: Die meisten Betriebe berichten von einer Amortisation innerhalb von 6-12 Monaten durch Zeitersparnis und bessere Auslastung.

Förderungen für die Digitalisierung im Handwerk

Es gibt zahlreiche Förderprogramme, die du nutzen solltest:

Bundesweite Förderungen

go-digital

  • Bis zu 16.500€ Förderung
  • 50% der Beratungskosten
  • Für Unternehmen bis 100 Mitarbeiter
  • Beantragung über autorisierte Beratungsunternehmen

Digital Jetzt

  • Bis zu 50.000€ für Investitionen
  • Bis zu 50% Förderquote
  • Für KMU bis 499 Mitarbeiter
  • Aktuell: Programm prüfen, da Mittel begrenzt

Landesförderungen

Bayern: Digitalbonus

  • Bis zu 50.000€
  • Bis zu 50% Förderquote

NRW: Mittelstand Innovativ & Digital

  • Bis zu 15.000€
  • Bis zu 80% Förderquote

Baden-Württemberg: Digitalisierungsprämie

  • Bis zu 10.000€
  • Vergünstigter Kredit

Weitere Länder haben ähnliche Programme. Prüfe die aktuelle Verfügbarkeit in deinem Bundesland.

Wichtig: Fördermittel müssen VOR Projektstart beantragt werden!

Typische Fehler bei der Digitalisierung im Handwerk

Diese Fehler sehen wir immer wieder:

Fehler 1: Zu komplexe Software wählen

Viele Handwerker kaufen Software, die für große Unternehmen gemacht ist. Die Folge: Frustration, weil die Bedienung zu kompliziert ist.

Lösung: Wähle Software, die für deine Betriebsgröße gemacht ist. Teste vor dem Kauf ausführlich.

Fehler 2: Die Mitarbeiter nicht mitnehmen

Die beste Software nützt nichts, wenn deine Mitarbeiter sie nicht nutzen wollen oder können.

Lösung: Beziehe dein Team früh ein. Erkläre den Nutzen. Plane ausreichend Zeit für Schulungen ein.

Fehler 3: Alles auf einmal wollen

Der Versuch, alle Bereiche gleichzeitig zu digitalisieren, scheitert fast immer.

Lösung: Starte mit einem Bereich. Wenn der läuft, geh den nächsten an.

Fehler 4: Keine klaren Ziele setzen

"Wir wollen digitaler werden" ist kein Ziel.

Lösung: Definiere messbare Ziele. Zum Beispiel: "Angebote in 24 Stunden statt 5 Tagen erstellen."

Fehler 5: Datensicherheit vernachlässigen

Mit der Digitalisierung werden deine Daten wertvoller – und angreifbarer.

Lösung: Regelmäßige Backups, sichere Passwörter, Mitarbeiter für Phishing sensibilisieren.

Praxisbeispiele: Digitalisierung im Handwerk

So haben andere Handwerksbetriebe ihre Digitalisierung umgesetzt:

Elektrikerbetrieb spart 15 Stunden pro Woche

Ausgangslage: 8 Mitarbeiter, Aufträge auf Papier, Stundenzettel handschriftlich, Rechnungen mit Word.

Umgesetzt:

  • Handwerkersoftware für Auftragsmanagement
  • Mobile Zeiterfassung per App
  • Digitale Unterschrift beim Kunden

Ergebnis: 15 Stunden Zeitersparnis pro Woche, fehlerfreie Zeiterfassung, Rechnungen am selben Tag statt nach 2 Wochen.

Malerbetrieb steigert Auftragsquote um 40%

Ausgangslage: 5 Mitarbeiter, Angebote dauerten 3-5 Tage, viele Aufträge gingen an schnellere Konkurrenz.

Umgesetzt:

  • Digitales Aufmaß mit Tablet und Laser
  • Angebotssoftware mit Vorlagen
  • Automatische Angebotsverfolgung

Ergebnis: Angebote am selben Tag, Auftragsquote von 30% auf 42% gestiegen, 25% mehr Umsatz.

SHK-Betrieb verbessert Kundenzufriedenheit

Ausgangslage: 12 Mitarbeiter, Kunden beschwerten sich über mangelnde Erreichbarkeit und unklare Termine.

Umgesetzt:

  • Digitale Terminplanung mit Kundenportal
  • Automatische SMS-Benachrichtigung
  • Echtzeit-Tracking der Monteure

Ergebnis: 80% weniger Beschwerden, bessere Google-Bewertungen, mehr Weiterempfehlungen.

Checkliste: Bist du bereit für die Digitalisierung?

Prüfe diese Punkte, bevor du startest:

Technische Voraussetzungen:

  • [ ] Stabiles Internet im Büro (mindestens 50 Mbit/s)
  • [ ] WLAN für alle Arbeitsplätze
  • [ ] Aktueller Computer (nicht älter als 5 Jahre)
  • [ ] Smartphones für Mitarbeiter auf der Baustelle

Organisatorische Voraussetzungen:

  • [ ] Zeit für Einführung eingeplant (mind. 1 Tag pro Woche für 2-3 Monate)
  • [ ] Budget vorhanden (mind. 100€/Monat für Software)
  • [ ] Mindestens ein digital-affiner Mitarbeiter
  • [ ] Bereitschaft, gewohnte Prozesse zu ändern

Strategische Voraussetzungen:

  • [ ] Klares Ziel definiert (Was soll besser werden?)
  • [ ] Prioritäten gesetzt (Womit anfangen?)
  • [ ] Geschäftsführung steht dahinter

Je mehr Haken du setzen kannst, desto erfolgreicher wird deine Digitalisierung.

Fazit

Die Digitalisierung im Handwerk ist kein Hexenwerk. Mit dem richtigen Ansatz und überschaubaren Investitionen kannst du deinen Betrieb deutlich effizienter machen.

Die wichtigsten Takeaways:

  1. Starte mit der Buchhaltung – hier ist der schnellste ROI
  2. Wähle Software für deine Größe – nicht zu komplex, nicht zu simpel
  3. Nimm dein Team mit – ohne Akzeptanz keine Nutzung
  4. Nutze Förderungen – es gibt viel Geld vom Staat
  5. Bleib dran – Digitalisierung ist ein Prozess, kein Projekt

Der beste Zeitpunkt zum Starten? Jetzt.

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