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Arztpraxis Software: Die besten Praxisverwaltungssysteme 2026

Vergleich der besten Software für Arztpraxen. Von Praxisverwaltung bis Patientenkommunikation – finde das richtige System für deine Praxis.

17 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 20.1.2025

Die Digitalisierung der Arztpraxis ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Mit ePA, E-Rezept und Telematikinfrastruktur hat der Gesetzgeber klare Fakten geschaffen. Aber auch abseits der Pflichten bietet moderne Praxissoftware enorme Vorteile: weniger Verwaltungsaufwand, zufriedenere Patienten und entlastete MFA.

Die Auswahl ist groß – von den etablierten PVS-Anbietern bis zu innovativen Startups. In diesem Artikel zeigen wir dir, welche Software-Kategorien es gibt, was die wichtigsten Anbieter können und worauf du bei der Auswahl achten solltest.

Die Software-Landschaft für Arztpraxen

Die Digitalisierung einer Arztpraxis besteht aus mehreren Bausteinen:

Pflicht-Komponenten:

  • Praxisverwaltungssystem (PVS): Kern der Praxis, Patientendaten, Abrechnung
  • Telematikinfrastruktur (TI): Anbindung an das Gesundheitsnetzwerk
  • Konnektoren: Hardware für ePA, eAU, E-Rezept

Optionale Erweiterungen:

  • Online-Terminbuchung: Patienten buchen selbst
  • Patientenportal: Digitale Kommunikation
  • Digitaler Patientenaufruf: Wartezimmer-Management
  • Telemedizin: Videosprechstunden
  • Dokumentenmanagement: Papierlose Praxis

Die Realität: Die meisten Praxen haben ein PVS und ergänzen nach Bedarf. Eine Komplett-Lösung gibt es selten.

Praxisverwaltungssysteme (PVS) im Überblick

Das PVS ist das Herzstück jeder Praxis. Hier die wichtigsten Anbieter:

| System | Typ | Marktanteil | Besonders geeignet für |

|--------|-----|-------------|------------------------|

| CGM Medistar | Lokal/Cloud | ~25% | Allgemeinmedizin |

| CGM M1 Pro | Cloud | wachsend | Moderne Praxen |

| Medatixx | Lokal | ~20% | Allgemeinmedizin, Fachärzte |

| Turbomed | Lokal | ~15% | Hausarztpraxen |

| Quincy | Lokal | ~8% | Hausärzte |

| Tomedo | Mac | ~5% | Apple-Nutzer |

| Samedi | Cloud | wachsend | Innovative Praxen |

| RED Medical | Cloud | wachsend | Neugründungen |

Wichtig: Ein PVS-Wechsel ist aufwändig und teuer. Die Entscheidung sollte gut überlegt sein.

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Die wichtigsten PVS-Anbieter im Detail

Ein genauerer Blick auf die Marktführer:

CGM Medistar / M1 Pro

Marktführer im deutschsprachigen Raum

CompuGroup Medical (CGM) ist der größte Anbieter mit verschiedenen Produktlinien.

Medistar (klassisch):

  • Etabliertes System, viele Installationen
  • Umfangreiche Funktionen
  • Gute Abrechnungsunterstützung
  • Lokale Installation

M1 Pro (modern):

  • Cloud-basiert
  • Moderne Oberfläche
  • Flexibler Zugriff
  • Regelmäßige Updates

Kosten: Ca. 200-400€/Monat + Einrichtung

Vorteile: Marktführer, umfangreich, guter Support

Nachteile: Komplex, höhere Kosten, Abhängigkeit

Medatixx

Der starke Zweite

Medatixx (früher Teil von CGM) ist besonders bei Fachärzten beliebt.

Varianten:

  • Medatixx: Für Hausärzte
  • x.concept: Für Fachärzte
  • x.vianova: Neue Cloud-Variante

Funktionen:

  • Umfassende Patientenverwaltung
  • Gute Facharzt-Anpassungen
  • Abrechnungsmodul
  • Labor-Anbindung

Kosten: Ca. 150-350€/Monat + Einrichtung

Vorteile: Gute Facharzt-Lösungen, etabliert

Nachteile: Oberfläche wirkt älter, lokale Installation

Tomedo (für Mac)

Die Apple-Alternative

Tomedo ist das führende PVS für Mac-Nutzer.

Besonderheiten:

  • Native Mac-Anwendung
  • Moderne, intuitive Oberfläche
  • iPad-Integration
  • Cloud-Synchronisation

Funktionen:

  • Vollständiges PVS
  • Integrierte Videosprechstunde
  • Dokumentenmanagement
  • Wartezimmer-Aufruf

Kosten: Ab ca. 200€/Monat

Vorteile: Beste Mac-Integration, modern, intuitiv

Nachteile: Nur für Apple, kleineres Ökosystem

Cloud-Alternativen: Samedi, RED Medical

Die neuen Herausforderer

Für Praxen, die von Anfang an cloud-basiert arbeiten wollen.

Samedi:

  • Starker Fokus auf Online-Terminbuchung
  • Gute Patientenkommunikation
  • Modernste Oberfläche
  • Wächst schnell

RED Medical:

  • Konsequent cloud-basiert
  • Einfache Einrichtung
  • Faire Preise
  • Für Neugründungen interessant

Kosten: Ab ca. 100-250€/Monat

Vorteile: Modern, flexibel, niedrigere Einstiegskosten

Nachteile: Weniger Funktionsumfang, junge Anbieter

Ergänzende Software für die Arztpraxis

Über das PVS hinaus gibt es spezialisierte Lösungen:

Online-Terminbuchung

Warum wichtig: Patienten wollen Termine online buchen, nicht telefonieren.

Optionen:

  • Doctolib (ab 129€/Monat) – Marktführer, viele Patienten
  • Samedi – In PVS integrierbar
  • Dr. Flex – Einfach und günstig
  • Doctena – Europäischer Anbieter

Vorteile:

  • Buchungen 24/7
  • Weniger Telefonzeit
  • Automatische Erinnerungen
  • Weniger No-Shows

ROI: 5-10 Stunden/Woche Zeitersparnis für MFA

Patientenkommunikation

Warum wichtig: Sichere, digitale Kommunikation mit Patienten.

Funktionen:

  • Sichere Nachrichten
  • Befundübermittlung
  • Rezeptanfragen
  • Terminbstätigungen

Anbieter:

  • medflex – DSGVO-konform, einfach
  • Patientus – Teil von CGM
  • Arzt-Direkt – Viele Funktionen

Vorteil: Weniger Telefonate, dokumentierte Kommunikation

Digitaler Patientenaufruf

Warum wichtig: Modernes Wartezimmer-Management.

Funktionen:

  • Digitale Wartemarken
  • Aufruf über Display
  • Wartezeiteninfo für Patienten
  • Check-in am Terminal

Anbieter:

  • idana – Auch mit Anamnese
  • Eigenentwicklung im PVS
  • Tabletbasierte Lösungen

Vorteil: Professioneller Eindruck, keine Namensnennung

Videosprechstunde / Telemedizin

Warum wichtig: Seit Corona Standard, von Patienten erwartet.

Anforderungen:

  • DSGVO-konform
  • KBV-zertifiziert
  • Abrechnungsfähig
  • Einfach für Patienten

Anbieter:

  • Doctolib (integriert)
  • TeleClinic (mit eigenem Patientenstamm)
  • CGM Clickdoc
  • arztkonsultation.de

Kosten: Ab ca. 50-150€/Monat

Vergütung: Regelversorgung, bis zu 30% der Fälle erstattungsfähig

Digitale Anamnese

Warum wichtig: Patienten füllen Fragebögen vorab digital aus.

Vorteile:

  • Zeitsparend für MFA und Arzt
  • Keine Übertragungsfehler
  • Automatische Übernahme ins PVS
  • Patient hat Zeit zum Nachdenken

Anbieter:

  • idana – Umfangreich, anpassbar
  • Nelly – Modern, einfach
  • im PVS integriert (einige Anbieter)

Zeitersparnis: 5-15 Minuten pro Patient

Die digitale Arztpraxis: So geht Digitalisierung richtig

Schritt für Schritt zur digitalen Praxis:

Phase 1: Basis sichern

Fokus: PVS und TI funktionieren

  1. PVS aktuell halten

- Updates einspielen

- Alle Pflichtfunktionen nutzen (eAU, eRezept, ePA)

- Mitarbeiter schulen

  1. TI stabil betreiben

- Regelmäßige Wartung

- Backup-Lösung für Ausfälle

- Notfallprozesse definieren

  1. Grundlegende Digitalisierung

- Digitale Dokumente statt Papier

- E-Mail-Kommunikation intern

- Basis-Website mit Kontaktdaten

Investition: Meist nur Zeit, wenig zusätzliche Kosten

Phase 2: Patientenservice verbessern

Fokus: Bessere Erreichbarkeit, weniger Wartezeit

  1. Online-Terminbuchung

- System auswählen und einrichten

- Mit Website verknüpfen

- Team einweisen

  1. Automatische Erinnerungen

- SMS oder E-Mail vor Terminen

- Reduziert No-Shows um 25-40%

  1. Digitale Wartezimmer-Info

- Aktuelle Wartezeit kommunizieren

- Patienten können später kommen

Investition: 100-300€/Monat, schneller ROI

Phase 3: Prozesse optimieren

Fokus: Interne Abläufe effizienter gestalten

  1. Digitale Anamnese

- Patienten füllen vorab aus

- Automatische Übernahme ins PVS

- Mehr Zeit fürs Wesentliche

  1. Aufgabenmanagement

- Digitale To-Do-Listen

- Zuständigkeiten klar

- Nichts vergessen

  1. Dokumentenmanagement

- Papierlose Ablage

- Schnelles Finden

- Sichere Archivierung

Investition: Variabel, oft im PVS integrierbar

Phase 4: Zukunftssicher werden

Fokus: Innovative Versorgungsformen

  1. Telemedizin etablieren

- Videosprechstunde routiniert anbieten

- Für geeignete Fälle aktiv empfehlen

- Abrechnung optimieren

  1. Patientenportal

- Befunde digital bereitstellen

- Sichere Kommunikation

- Rezeptanfragen digital

  1. Datenanalyse

- Praxisauslastung optimieren

- Engpässe erkennen

- Qualität messen

Investition: Abhängig von Umfang und Anbieter

Kosten der Praxis-Digitalisierung

Was kostet die Digitalisierung einer Arztpraxis?

Einmalige Kosten:

| Position | Kosten |

|----------|--------|

| PVS-Wechsel (Migration) | 5.000-15.000€ |

| TI-Hardware | 2.000-5.000€ |

| Tablets/Hardware | 500-2.000€ |

| Schulungen | 500-2.000€ |

| Gesamt einmalig | 8.000-24.000€ |

Laufende Kosten (monatlich):

| Position | Kosten |

|----------|--------|

| PVS | 150-400€ |

| TI-Betrieb | 50-150€ |

| Online-Terminbuchung | 50-150€ |

| Videosprechstunde | 50-100€ |

| Weitere Module | 50-200€ |

| Gesamt monatlich | 350-1.000€ |

Förderungen:

  • TI-Pauschale der KBV
  • Digitalisierungsförderung der Länder
  • KfW-Kredite für Digitalisierung

Die MFA entlasten: Digitalisierung in der Praxis

Digitalisierung sollte vor allem eines: Das Team entlasten.

Wo Digitalisierung am meisten hilft:

| Aufgabe | Analog | Digital | Ersparnis |

|---------|--------|---------|-----------|

| Terminvergabe | 5 Min/Termin | 0 Min (automatisch) | 2-3 Std/Tag |

| Anamnese | 10 Min/Patient | 2 Min (Kontrolle) | 30-60 Min/Tag |

| Rezeptanfragen | Telefon, Fax | Online-Portal | 1-2 Std/Tag |

| Befundmitteilung | Post, Telefon | Portal, App | 30-60 Min/Tag |

| Patientenaufruf | Rufen, Suchen | Display | 15-30 Min/Tag |

Gesamtersparnis: 4-7 Stunden pro Tag – das ist fast eine volle Stelle!

Wichtig: Digitalisierung funktioniert nur, wenn das Team mitgenommen wird. Schulung und Einarbeitung sind entscheidend.

Worauf achten bei der Software-Auswahl?

Checkliste für die Entscheidung:

Technische Kriterien

  • TI-Kompatibilität: Funktioniert alles mit der Telematikinfrastruktur?
  • Schnittstellen: Lässt sich die Software mit anderen Systemen verbinden?
  • Updates: Wie regelmäßig werden Updates geliefert?
  • Cloud vs. Lokal: Was passt besser zu deiner Praxis?
  • Mobile Nutzung: Gibt es Apps für Tablet/Smartphone?

Praktische Kriterien

  • Benutzerfreundlichkeit: Kommt das Team damit zurecht?
  • Support: Wie gut ist der Kundenservice? Reaktionszeiten?
  • Schulung: Welche Trainings werden angeboten?
  • Referenzen: Was sagen andere Praxen?
  • Testmöglichkeit: Kann man die Software vorab testen?

Wirtschaftliche Kriterien

  • Gesamtkosten: Einmalig + laufend, inklusive versteckter Kosten
  • Vertragslaufzeit: Wie lange bindet man sich?
  • Skalierbarkeit: Was passiert bei Praxiswachstum?
  • Exit-Strategie: Wie kommt man wieder raus? Datenexport?

Häufige Fehler bei der Praxis-Digitalisierung

Diese Fehler solltest du vermeiden:

Fehler 1: Zu viel auf einmal

Das Problem: Alles gleichzeitig einführen wollen.

Die Folge: Überforderung, Chaos, Frust.

Die Lösung: Schrittweise vorgehen. Ein System nach dem anderen.

Fehler 2: Das Team nicht einbeziehen

Das Problem: Der Chef entscheidet, die MFA müssen umsetzen.

Die Folge: Widerstand, Workarounds, Software wird nicht genutzt.

Die Lösung: Team früh einbinden, Bedenken ernst nehmen, ausreichend schulen.

Fehler 3: Nur auf den Preis schauen

Das Problem: Das billigste System wählen.

Die Folge: Fehlende Funktionen, schlechter Support, teurer Wechsel später.

Die Lösung: Gesamtkosten betrachten, nicht nur den Monatspreis.

Fehler 4: Keine Strategie haben

Das Problem: Einzelne Tools einführen ohne Gesamtkonzept.

Die Folge: Insellösungen, die nicht zusammenarbeiten.

Die Lösung: Erst planen, dann umsetzen. Was soll in 3-5 Jahren erreicht sein?

Fazit: Die richtige Software für deine Praxis

Die Auswahl der richtigen Praxissoftware ist eine wichtige Entscheidung. Die gute Nachricht: Es gibt für jede Praxisgröße und jedes Budget passende Lösungen.

Zusammenfassung der Empfehlungen:

| Praxistyp | Empfehlung |

|-----------|------------|

| Neugründung | RED Medical oder Samedi (Cloud, modern, günstig) |

| Hausarztpraxis | CGM Medistar, Turbomed oder Medatixx |

| Facharztpraxis | Medatixx x.concept oder CGM-Facharztlösungen |

| Mac-Praxis | Tomedo |

| MVZ | CGM oder Medatixx mit MVZ-Modulen |

Die nächsten Schritte:

  1. Ist-Analyse: Was läuft gut, was nicht?
  2. Ziele definieren: Was soll besser werden?
  3. Anbieter vergleichen: 2-3 Demos anfordern
  4. Referenzen einholen: Mit anderen Praxen sprechen
  5. Pilotphase: Wenn möglich, erstmal testen
  6. Schrittweise einführen: Nicht alles auf einmal

Fazit

Die Digitalisierung der Arztpraxis ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Das Wichtigste ist, anzufangen – und zwar dort, wo der größte Nutzen entsteht.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Das PVS ist die Basis – hier sollte alles stimmen, bevor du erweiterst
  2. Online-Terminbuchung bringt den schnellsten ROI
  3. MFA-Entlastung ist das Hauptziel – darauf alle Maßnahmen ausrichten
  4. Schritt für Schritt statt Big Bang – so funktioniert Veränderung
  5. Team mitnehmen – Technik ohne Akzeptanz ist nutzlos

Der beste Zeitpunkt zum Starten ist jetzt. Die Pflichten (ePA, E-Rezept) kommen sowieso – warum nicht gleich die Chancen nutzen?

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