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Recall-System Zahnarztpraxis: So automatisieren Sie Terminerinnerungen

Komplette Anleitung zum Recall-System für Zahnarztpraxen: Software-Vergleich, Einrichtung Schritt für Schritt, und wie Sie 30% mehr Prophylaxe-Termine generieren.

11 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 20.1.2025

Jede Zahnarztpraxis kennt das Problem: Patienten vergessen ihre Prophylaxe-Termine, die Recall-Listen werden immer länger, und die ZFA verbringt Stunden damit, Patienten hinterherzutelefonieren.

Ein automatisiertes Recall-System löst dieses Problem: Es erinnert Patienten automatisch per SMS oder E-Mail, wenn ihre PZR fällig ist – und lässt sie direkt online einen Termin buchen.

Das Ergebnis? 30% mehr Prophylaxe-Termine, weniger Arbeit für die ZFA, und zufriedenere Patienten. Dieser Guide zeigt Ihnen, wie Sie ein Recall-System einrichten und welche Software am besten zu Ihrer Praxis passt.

Was ist ein Recall-System für Zahnarztpraxen?

Ein Recall-System erinnert Patienten automatisch an fällige Untersuchungen und Behandlungen. In der Zahnarztpraxis bedeutet das vor allem:

Typische Recall-Anlässe

Prophylaxe / PZR (alle 6 Monate)

  • Der wichtigste Recall: Professionelle Zahnreinigung
  • Höchstes Umsatzpotenzial pro Erinnerung
  • Patienten vergessen es am häufigsten

Kontrolluntersuchung (alle 6-12 Monate)

  • Wichtig für Früherkennung
  • Bonusheft-relevant für Patienten

Parodontitis-Nachsorge (alle 3-4 Monate)

  • Kritisch für Behandlungserfolg
  • Patienten mit erhöhtem Risiko

Kinderprophylaxe / Fissurenversiegelung

  • Eltern als Zielgruppe
  • Termin-Koordination oft schwieriger

Manuell vs. Automatisiert

Manueller Recall (traditionell):

  1. ZFA druckt Liste fälliger Patienten
  2. Jeden Patienten einzeln anrufen
  3. Termin manuell vereinbaren
  4. Erinnerung vor Termin (wieder anrufen)

Zeitaufwand: 8-15 Stunden/Woche

Automatisierter Recall:

  1. System erkennt fällige Patienten automatisch
  2. SMS/E-Mail wird automatisch verschickt
  3. Patient bucht online selbst
  4. Automatische Terminerinnerung

Zeitaufwand: 1-2 Stunden/Woche (Kontrolle)

Warum ein Recall-System unverzichtbar ist

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

Die harte Realität ohne Recall

Ohne systematischen Recall:

  • 40-60% der Patienten kommen nicht zur Prophylaxe
  • Durchschnittlich 18 Monate zwischen PZR-Terminen
  • Patienten "verschwinden" zur Konkurrenz
  • Bonusheft-Lücken bei Patienten

Die Kosten:

Bei 1.000 aktiven Patienten und 60€ pro PZR:

  • Potenzial: 2.000 PZR/Jahr (2x pro Patient) = 120.000€
  • Ohne Recall: ~800 PZR/Jahr = 48.000€
  • Entgangener Umsatz: 72.000€/Jahr

Was ein Recall-System bringt

Messbare Ergebnisse:

  • +30-50% Prophylaxe-Quote durch systematische Erinnerung
  • -80% Zeitaufwand für die ZFA
  • +15-20% Patientenbindung (weniger Abwanderung)
  • Bessere Mundgesundheit der Patienten

ROI-Rechnung:

  • Software: 50-150€/Monat
  • Mehrertrag: 2.000-4.000€/Monat
  • ROI: 1.500-3.000%

Die 5 besten Recall-Systeme für Zahnarztpraxen

Hier der Vergleich der führenden Lösungen:

1. Dr. Z / Modern Dental Recall

Für wen: Praxen die eine spezialisierte Dental-Lösung suchen

Stärken:

  • Speziell für Zahnarztpraxen entwickelt
  • Tiefe Integration mit Praxissoftware
  • Automatische Bonusheft-Erinnerung
  • Deutschsprachiger Support

Schwächen:

  • Nur für Dental-Bereich
  • Höherer Preis

Preis: Ab ca. 100-200€/Monat

Besonderheit: Integrierte Recall-Analytik zeigt genau, welche Erinnerungen funktionieren.

2. Doctolib

Für wen: Praxen die auch Online-Terminbuchung wollen

Stärken:

  • Kombiniert Recall + Online-Buchung
  • Patienten kennen die Plattform
  • Einfache Einrichtung
  • Gute Erinnerungsfunktion

Schwächen:

  • Weniger Dental-spezifisch
  • Abhängigkeit von Plattform

Preis: Ab ca. 130-200€/Monat

Besonderheit: Patienten können direkt aus der Erinnerung heraus buchen.

3. Dental21 / Moderne Praxissoftware

Für wen: Praxen die Komplett-Lösung suchen

Stärken:

  • Praxissoftware + Recall in einem
  • Automatische Synchronisation
  • Moderne Oberfläche
  • Integrierte Kommunikation

Schwächen:

  • Wechsel der Praxissoftware nötig
  • Einarbeitung erforderlich

Preis: Ab ca. 300-500€/Monat (Komplett)

Besonderheit: Alles aus einer Hand, keine Schnittstellen-Probleme.

4. Dampsoft + Recall-Modul

Für wen: Praxen die bereits Dampsoft nutzen

Stärken:

  • Direkte Integration
  • Keine neue Software
  • Bewährtes System
  • Dental-spezifisch

Schwächen:

  • Nur für Dampsoft-Nutzer
  • Funktionsumfang begrenzt

Preis: Ab ca. 30-50€/Monat (Zusatzmodul)

Besonderheit: Für bestehende Dampsoft-Praxen der einfachste Weg.

5. Idana / Digitale Patientenkommunikation

Für wen: Praxen die flexible Lösung wollen

Stärken:

  • Funktioniert mit jeder Praxissoftware
  • Sehr anpassbar
  • Auch für Anamnese nutzbar
  • Faire Preise

Schwächen:

  • Einrichtung aufwändiger
  • Weniger "out of the box"

Preis: Ab ca. 50-100€/Monat

Besonderheit: Kombiniert Recall mit digitaler Anamnese.

Vergleichstabelle Recall-Systeme

| Kriterium | Dr. Z | Doctolib | Dental21 | Dampsoft | Idana |

|-----------|-------|----------|----------|----------|-------|

| Preis/Monat | 100-200€ | 130-200€ | 300-500€ | 30-50€ | 50-100€ |

| Dental-Fokus | ★★★★★ | ★★★☆☆ | ★★★★★ | ★★★★★ | ★★★☆☆ |

| Online-Buchung | ★★★☆☆ | ★★★★★ | ★★★★☆ | ★★☆☆☆ | ★★★☆☆ |

| Einrichtung | ★★★★☆ | ★★★★★ | ★★★☆☆ | ★★★★★ | ★★★☆☆ |

| Integration | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | ★★★★★ | ★★★★★ | ★★★★☆ |

| SMS-Versand | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |

| E-Mail | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |

| WhatsApp | ✗ | ✗ | Teilweise | ✗ | ✓ |

Recall-System einrichten: Schritt-für-Schritt

So implementieren Sie ein Recall-System in Ihrer Praxis:

Schritt 1: Patientendaten prüfen (Tag 1)

Voraussetzung für funktionierenden Recall:

  • E-Mail-Adressen aktuell? (mindestens 60% der Patienten)
  • Mobilnummern vorhanden? (für SMS)
  • Einwilligung zur Kontaktaufnahme dokumentiert?

Aktion:

  • Fehlende Daten bei nächstem Besuch erfragen
  • Einwilligungserklärung aktualisieren
  • Kontaktdaten im System pflegen

Tipp: Belohnen Sie die Angabe der E-Mail mit kleinem Goodie (Zahnbürste, Probe).

Schritt 2: Recall-Intervalle definieren (Tag 2)

Empfohlene Intervalle:

| Behandlung | Standard | Risikopatienten |

|------------|----------|-----------------|

| Prophylaxe/PZR | 6 Monate | 3-4 Monate |

| Kontrolluntersuchung | 12 Monate | 6 Monate |

| Parodontitis-Nachsorge | 4 Monate | 3 Monate |

| Kinderprophylaxe | 6 Monate | 6 Monate |

Im System hinterlegen:

  • Standardintervall pro Behandlungsart
  • Individuelle Anpassung möglich
  • Vorlaufzeit für Erinnerung (z.B. 4 Wochen vorher)

Schritt 3: Erinnerungstexte erstellen (Tag 3)

Prophylaxe-Erinnerung (Beispiel):

*Betreff: Zeit für Ihre Prophylaxe, [Vorname]!*

*Liebe/r [Vorname],*

*Ihre letzte professionelle Zahnreinigung liegt nun 6 Monate zurück. Für gesunde Zähne empfehlen wir, jetzt einen neuen Termin zu vereinbaren.*

*→ Jetzt online Termin buchen: [Link]*

*Oder rufen Sie uns an: [Telefonnummer]*

*Ihr Praxisteam [Praxisname]*

Wichtig:

  • Persönliche Anrede
  • Klarer Call-to-Action
  • Einfache Buchungsmöglichkeit
  • Kurz und freundlich

Schritt 4: Automatisierung aktivieren (Tag 4-5)

Einstellungen im System:

  1. Recall-Intervalle hinterlegen
  2. E-Mail/SMS-Vorlagen aktivieren
  3. Versandzeitpunkt festlegen (z.B. 4 Wochen vor Fälligkeit)
  4. Follow-up definieren (Erinnerung nach 1 Woche wenn keine Buchung)

Testlauf:

  • An sich selbst oder Team-Mitglieder senden
  • Alle Links prüfen
  • Buchungsprozess durchspielen

Schritt 5: Monitoring einrichten (laufend)

Wichtige Kennzahlen:

  • Öffnungsrate E-Mails: Ziel >40%
  • Klickrate auf Buchungslink: Ziel >15%
  • Buchungsquote: Ziel >20% der Erinnerungen
  • No-Show-Rate: Sollte sinken

Wöchentliche Prüfung:

  • Wie viele Erinnerungen wurden verschickt?
  • Wie viele Termine wurden gebucht?
  • Gibt es Beschwerden/Abmeldungen?

Best Practices für höhere Recall-Quote

Diese Tipps steigern Ihre Erfolgsquote:

Timing ist alles

Beste Versandzeiten:

  • Dienstag-Donnerstag funktioniert besser als Montag/Freitag
  • 9-11 Uhr oder 18-20 Uhr - wenn Patienten Zeit haben
  • Nicht am Wochenende - geht unter

Erinnerungs-Sequenz:

  1. Erste Erinnerung: 4 Wochen vor Fälligkeit
  2. Follow-up: 2 Wochen vor Fälligkeit (wenn keine Reaktion)
  3. Letzte Erinnerung: Bei Fälligkeit
  4. Optional: 2 Wochen nach Fälligkeit ("Termin überfällig")

Personalisierung wirkt

Was die Buchungsrate erhöht:

  • Name des Patienten verwenden
  • Name des behandelnden Zahnarztes nennen
  • Letzte Behandlung erwähnen
  • Individuelle Empfehlung (wenn PAR-Patient: darauf hinweisen)

Beispiel:

*"Herr Müller, Dr. Schmidt empfiehlt Ihre nächste Prophylaxe im Januar. Als Patient mit erhöhtem Parodontitis-Risiko ist die regelmäßige PZR besonders wichtig für Sie."*

Mehrere Kanäle nutzen

Kanal-Kombinationen:

  • E-Mail + SMS: E-Mail zuerst, SMS als Follow-up
  • SMS allein: Für Patienten ohne E-Mail oder ältere Patienten
  • Brief: Für Patienten ohne digitale Kontaktdaten

Erfahrungswerte:

| Kanal | Öffnungsrate | Buchungsrate |

|-------|--------------|--------------|

| E-Mail | 35-45% | 15-20% |

| SMS | 90-95% | 25-35% |

| E-Mail + SMS | - | 30-40% |

Anreize setzen (optional)

Was funktioniert:

  • "Buchen Sie in den nächsten 7 Tagen und erhalten Sie eine Premium-Zahnbürste"
  • "Bei Buchung bis [Datum]: Kostenlose Zungenreinigung inklusive"
  • Nicht: Rabatte auf medizinische Leistungen (rechtlich problematisch)

Wichtig: Anreize sparsam einsetzen, sonst gewöhnen sich Patienten daran.

Häufige Fehler vermeiden

Diese Fehler kosten Sie Recall-Erfolge:

Fehler 1: Zu viele Erinnerungen

Problem: Patienten fühlen sich belästigt und melden sich ab.

Lösung: Maximal 3-4 Erinnerungen pro Recall-Anlass. Nach der letzten Erinnerung: Pause bis zum nächsten Intervall.

Fehler 2: Keine Online-Buchungsmöglichkeit

Problem: Patient will buchen, muss aber anrufen. 50% buchen dann nicht.

Lösung: Immer direkten Buchungslink in die Erinnerung. 24/7-Buchung ermöglichen.

Fehler 3: Veraltete Kontaktdaten

Problem: E-Mails kommen zurück, SMS scheitern.

Lösung: Bei jedem Praxisbesuch Kontaktdaten prüfen und aktualisieren.

Fehler 4: Kein Follow-up bei No-Shows

Problem: Patient bucht Termin, erscheint nicht, wird nie wieder erinnert.

Lösung: No-Shows automatisch wieder in Recall-Liste aufnehmen, mit angepasster Nachricht.

ROI-Rechnung: Lohnt sich ein Recall-System?

Eine realistische Kalkulation für eine Zahnarztpraxis mit 1.500 aktiven Patienten:

Ausgangslage ohne System

  • 1.500 aktive Patienten
  • Aktuell: 40% kommen zur Prophylaxe = 600 PZR/Jahr
  • Durchschnittlicher PZR-Umsatz: 80€
  • Aktueller PZR-Umsatz: 48.000€/Jahr

Zeitaufwand ZFA für manuellen Recall:

  • 10h/Woche × 45€/h = 450€/Woche
  • = 23.400€/Jahr für Recall-Telefonate

Mit Recall-System

  • Prophylaxe-Quote steigt auf 60% = 900 PZR/Jahr
  • Neuer PZR-Umsatz: 72.000€/Jahr
  • Mehrertrag: 24.000€/Jahr

Zeitaufwand ZFA mit System:

  • 2h/Woche × 45€/h = 90€/Woche
  • = 4.680€/Jahr
  • Ersparnis: 18.720€/Jahr

Systemkosten:

  • 150€/Monat = 1.800€/Jahr

Gesamt-ROI:

  • Mehrertrag PZR: +24.000€
  • Personalersparnis: +18.720€
  • Systemkosten: -1.800€
  • = 40.920€/Jahr Netto-Vorteil

Fazit

Ein Recall-System ist für jede moderne Zahnarztpraxis unverzichtbar. Die Kombination aus automatischen Erinnerungen und Online-Buchung steigert nicht nur den Prophylaxe-Umsatz um 30-50%, sondern entlastet auch Ihre ZFA erheblich.

Meine Empfehlung:

  • Bereits Dampsoft? → Recall-Modul aktivieren (günstigster Einstieg)
  • Online-Buchung gewünscht? → Doctolib oder Dental21
  • Maximale Dental-Tiefe? → Dr. Z oder spezialisierte Lösung

Ihr nächster Schritt: Prüfen Sie, wie viele Ihrer Patienten aktuell eine gültige E-Mail-Adresse im System haben. Das ist Ihre Basis für erfolgreichen Recall. Ziel: mindestens 70%.

Dann starten Sie mit Prophylaxe-Recall – dem Recall-Typ mit dem höchsten ROI. Wenn das läuft, erweitern Sie auf Kontrolluntersuchungen und PAR-Nachsorge.

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