Zapier und Make (früher Integromat) sind die beiden führenden No-Code-Automatisierungstools. Beide verbinden Apps, automatisieren Workflows und sparen Zeit - aber sie unterscheiden sich erheblich.
Welches ist das richtige für Ihr Unternehmen? Die Antwort hängt von Ihren Anforderungen, Ihrem Budget und Ihrer technischen Affinität ab.
Was Sie lernen:
- Stärken und Schwächen beider Tools
- Detaillierter Preisvergleich
- Konkrete Anwendungsbeispiele
- Klare Entscheidungshilfe
Kurz erklärt: Was machen diese Tools?
Das Prinzip:
Beide Tools verbinden verschiedene Apps miteinander und automatisieren Abläufe ohne Programmierung.
Beispiel:
- Neue Bestellung in Shopify → Kundendaten in Google Sheets eintragen → Bestätigungsmail über Mailchimp senden → Slack-Nachricht ans Team
Ohne Tool: Manuell kopieren, eintragen, senden - 10 Minuten pro Bestellung
Mit Tool: Automatisch - 0 Minuten
Die Begriffe:
- Zapier: "Zap" = Ein automatisierter Workflow, "Task" = Eine ausgeführte Aktion
- Make: "Scenario" = Ein automatisierter Workflow, "Operation" = Eine ausgeführte Aktion
Zapier im Überblick
Gegründet: 2011
Firmensitz: USA
Integrationen: 6.000+ Apps
Stärken
1. Einfachste Bedienung
- Intuitive Oberfläche
- Schneller Einstieg (15 Minuten zum ersten Zap)
- Gut dokumentiert mit vielen Vorlagen
2. Größte App-Bibliothek
- 6.000+ unterstützte Apps
- Selbst Nischen-Tools sind oft dabei
- Neue Apps werden schnell hinzugefügt
3. Zuverlässigkeit
- Sehr stabile Ausführung
- Gute Fehlerbehandlung
- 99.9% Uptime
4. AI-Features
- Zapier AI für natürlichsprachliche Automatisierung
- "Create a Zap that..." funktioniert überraschend gut
5. Support und Community
- Umfangreiche Hilfe-Artikel
- Aktive Community
- Schneller Support (bei bezahlten Plänen)
Schwächen
1. Teuer bei hohem Volumen
- Task-basierte Abrechnung
- Kosten steigen schnell bei vielen Automatisierungen
2. Eingeschränkte Logik
- Komplexe Verzweigungen schwierig
- Filter und Bedingungen limitiert (in günstigen Plänen)
- Schleifen nicht möglich
3. Keine visuelle Workflow-Ansicht
- Lineare Darstellung
- Bei komplexen Zaps unübersichtlich
4. Langsame Ausführung im Free-Plan
- 15 Minuten Verzögerung (statt Echtzeit)
Preise (Stand 2026)
| Plan | Preis/Monat | Tasks/Monat | Zaps | Features |
|------|-------------|-------------|------|----------|
| Free | 0€ | 100 | 5 | Basis, 15 Min Delay |
| Starter | 19,99€ | 750 | 20 | Multi-Step, Filter |
| Professional | 49€ | 2.000 | Unbegrenzt | Paths, Custom Logic |
| Team | 69€/User | 50.000 | Unbegrenzt | Shared Workspaces |
| Enterprise | Auf Anfrage | Unbegrenzt | Unbegrenzt | SSO, Advanced |
Wichtig: Ein Task = Eine erfolgreiche Aktion. Ein 5-Schritt-Zap verbraucht 5 Tasks pro Ausführung.
Make (Integromat) im Überblick
Gegründet: 2012 (als Integromat), 2022 Rebranding zu Make
Firmensitz: EU (Tschechien)
Integrationen: 1.500+ Apps
Stärken
1. Visuelle Workflow-Erstellung
- Drag-and-Drop Canvas
- Verzweigungen und Schleifen sichtbar
- Komplexe Logik übersichtlich
2. Deutlich günstiger
- Mehr Operations pro Euro
- Bei gleichem Budget 3-5x mehr Automatisierungen möglich
3. Mächtigere Logik
- Unbegrenzte Verzweigungen (Router)
- Schleifen (Iterator, Aggregator)
- Komplexe Filter und Bedingungen
4. EU-Datenhaltung
- Server in der EU
- DSGVO-freundlicher
- Für datensensible Branchen relevant
5. HTTP/Webhooks flexibel
- Jede API anbindbar (auch ohne offizielle Integration)
- Für technisch Versierte sehr mächtig
Schwächen
1. Steilere Lernkurve
- Oberfläche wirkt technischer
- Mehr Optionen = mehr Komplexität
- Einarbeitung dauert länger
2. Kleinere App-Bibliothek
- "Nur" 1.500 Apps
- Manche Nischen-Tools fehlen
- Aber: HTTP-Modul als Fallback
3. Interface manchmal langsam
- Editor kann bei großen Szenarien laggen
- Speichern dauert gelegentlich
4. Support auf Englisch
- Kein deutschsprachiger Support
- Dokumentation größtenteils Englisch
Preise (Stand 2026)
| Plan | Preis/Monat | Operations/Monat | Szenarien | Features |
|------|-------------|------------------|-----------|----------|
| Free | 0€ | 1.000 | 2 | Basis, 15 Min Interval |
| Core | 9€ | 10.000 | Unbegrenzt | 1 Min Interval |
| Pro | 16€ | 10.000 | Unbegrenzt | Full-text Search, Custom Variables |
| Teams | 29€ | 10.000 | Unbegrenzt | Team Features, Priority |
| Enterprise | Auf Anfrage | Unbegrenzt | Unbegrenzt | SSO, Dedicated |
Wichtig: Eine Operation = Ein Modul/Schritt. Aber: Filter und Router zählen nicht!
Direktvergleich: Feature für Feature
| Feature | Zapier | Make |
|---------|--------|------|
| Benutzerfreundlichkeit | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Preis-Leistung | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| App-Anzahl | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Komplexe Workflows | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Visuelle Darstellung | ⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Echtzeit-Ausführung | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| API-Flexibilität | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| DSGVO/EU | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Support (Deutsch) | ⭐⭐⭐ | ⭐⭐ |
| Dokumentation | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐⭐ |
Preisvergleich: Konkretes Beispiel
Szenario: Kleines Unternehmen mit diesen Automatisierungen:
- E-Mail → CRM (50x/Monat)
- Neue Bestellung → Buchhaltung + Bestätigung (100x/Monat, 3 Schritte)
- Formulare → Google Sheets + Slack (30x/Monat, 3 Schritte)
- Kalenderbuchung → WhatsApp-Bestätigung (80x/Monat, 2 Schritte)
Bei Zapier:
- 50 + (100×3) + (30×3) + (80×2) = 50 + 300 + 90 + 160 = 600 Tasks/Monat
- → Starter-Plan: 19,99€/Monat
Bei Make:
- 50 + (100×3) + (30×3) + (80×2) = 600 Operations/Monat
- → Free-Plan reicht (1.000 Operations)! Sonst Core: 9€/Monat
Ersparnis mit Make: 10-20€/Monat bei gleichem Ergebnis
Bei höherem Volumen wird der Unterschied noch größer.
Wann Zapier die bessere Wahl ist
Zapier wählen wenn:
1. Sie Einsteiger sind
- Erste Automatisierung überhaupt
- Keine technische Erfahrung
- Schnelle Ergebnisse wichtiger als Optimierung
2. Sie bestimmte Apps brauchen
- Prüfen Sie vorher, ob Ihre Apps unterstützt werden
- Zapier hat mehr Nischen-Integrationen
3. Sie wenig automatisieren
- Unter 750 Tasks/Monat
- Einfache, lineare Workflows
- Starter-Plan reicht
4. AI-Unterstützung wichtig ist
- Zapier AI erstellt Zaps aus Beschreibungen
- Weniger manuelles Setup nötig
5. Deutschsprachiger Support wichtig ist
- Bessere deutsche Dokumentation
- Community-Support auf Deutsch verfügbar
Typische Zapier-Nutzer:
- Solopreneure mit 5-10 einfachen Automationen
- Teams, die schnell starten wollen
- Unternehmen mit speziellen App-Anforderungen
Wann Make die bessere Wahl ist
Make wählen wenn:
1. Budget wichtig ist
- Gleiche Automation für weniger Geld
- Bei wachsendem Volumen skalierbar
2. Komplexe Workflows nötig sind
- Verzweigungen ("wenn X, dann Y, sonst Z")
- Schleifen (mehrere Datensätze verarbeiten)
- Fehlerbehandlung wichtig
3. Sie technisch affin sind
- Grundverständnis von Datenstrukturen
- Bereitschaft, sich einzuarbeiten
- Spaß an Optimierung
4. DSGVO/Datenschutz kritisch ist
- Gesundheitswesen, Finanzbranche
- Kundendaten verarbeiten
- EU-Server bevorzugt
5. API-Integration nötig ist
- Apps ohne offizielle Integration anbinden
- Webhooks empfangen und verarbeiten
Typische Make-Nutzer:
- Agenturen mit vielen Automatisierungen
- Technisch versierte Unternehmer
- Unternehmen mit komplexen Prozessen
Beispiel-Workflows im Vergleich
So sehen typische Workflows in beiden Tools aus:
Einfacher Workflow: Lead-Erfassung
Prozess: Formular-Eintrag → CRM + E-Mail
In Zapier (3 Schritte):
- Trigger: Typeform - New Entry
- Action: HubSpot - Create Contact
- Action: Gmail - Send Email
→ Einrichtung: 15 Minuten
→ Kosten: 3 Tasks pro Eintrag
In Make (3 Module):
- Trigger: Typeform - Watch Responses
- Action: HubSpot - Create a Contact
- Action: Gmail - Send an Email
→ Einrichtung: 20 Minuten (etwas mehr Konfiguration)
→ Kosten: 3 Operations pro Eintrag
Fazit: Bei einfachen Workflows kaum Unterschied.
Komplexer Workflow: Bestellverarbeitung
Prozess: Neue Bestellung → Lagerbestand prüfen → Wenn verfügbar: Versand beauftragen, sonst: Nachbestellung + Kunde informieren
In Zapier:
- Braucht "Paths" Feature (ab Professional-Plan: 49€/Monat)
- Zwei separate Pfade konfigurieren
- Unübersichtlich bei mehr Verzweigungen
In Make:
- Router-Modul (kostenlos in allen Plänen)
- Visuell: Zwei Zweige vom Router abgehend
- Einfach erweiterbar für weitere Bedingungen
Fazit: Make deutlich besser für Logik mit Bedingungen.
Batch-Verarbeitung: Monatlicher Report
Prozess: Alle Bestellungen des Monats → Zusammenfassen → PDF erstellen → Per E-Mail senden
In Zapier:
- Schwierig: Keine nativen Schleifen
- Workaround mit "Looping" (nur Enterprise)
- Oder: Externe Lösung nötig
In Make:
- Search Module: Alle Bestellungen abrufen
- Aggregator: Zusammenfassen
- PDF Module: Dokument erstellen
- Email: Versenden
→ Native Lösung ohne Workarounds
Fazit: Make klar überlegen bei Batch-Verarbeitung.
Migration: Von einem zum anderen wechseln
Von Zapier zu Make:
- Workflows müssen neu gebaut werden (kein Import)
- Aber: Lernkurve machbar, wenn Sie Zapier kennen
- Tipp: Parallel laufen lassen, dann umschalten
Von Make zu Zapier:
- Komplexe Szenarien verlieren Funktionalität
- Kosten steigen wahrscheinlich
- Selten sinnvoll (außer bei App-Verfügbarkeit)
Empfehlung:
Starten Sie mit dem Tool, das zu Ihren aktuellen Anforderungen passt. Wechsel ist möglich, aber aufwändig.
Alternativen zu beiden
Kurz erwähnt, falls weder Zapier noch Make passen:
n8n (Self-Hosted)
- Kostenlos (eigener Server nötig)
- Sehr mächtig, Open Source
- Für technisch Versierte
Microsoft Power Automate
- Wenn Sie Microsoft 365 nutzen
- Gut integriert in Office-Welt
- Weniger externe Integrationen
Pipedream
- Für Entwickler
- Code-basiert mit visueller Option
- Großzügiger Free-Plan
Für die meisten kleinen Unternehmen bleiben Zapier und Make die besten Optionen.
Unsere Empfehlung
Starten Sie mit Make wenn:
- Budget begrenzt ist
- Sie bereit sind, 2-3 Stunden zu investieren
- Ihre Workflows Verzweigungen brauchen werden
Starten Sie mit Zapier wenn:
- Sie sofort loslegen wollen
- Sie eine bestimmte App brauchen, die nur Zapier hat
- Einfachheit wichtiger ist als Kostenoptimierung
Konkret:
- Listen Sie Ihre gewünschten Automatisierungen auf
- Prüfen Sie, ob alle Apps in beiden Tools verfügbar sind
- Starten Sie mit dem Free-Plan beider Tools und testen Sie
- Entscheiden Sie nach 2 Wochen basierend auf Ihrem Gefühl
Beide Tools haben großzügige Free-Plans. Nutzen Sie diese zum Testen.
Fazit
Zapier und Make sind beide exzellente Tools - die Wahl hängt von Ihren Prioritäten ab.
Zapier:
- Einfacher Einstieg
- Mehr Apps
- Teurer bei Volumen
Make:
- Günstiger
- Mächtiger bei komplexen Workflows
- Steilere Lernkurve
Die wichtigsten Punkte:
- Prüfen Sie zuerst, ob Ihre Apps unterstützt werden
- Rechnen Sie die Kosten für Ihr erwartetes Volumen durch
- Testen Sie beide mit dem Free-Plan
- Wählen Sie nach 2 Wochen Erfahrung
Unser Tipp für kleine Unternehmen:
Starten Sie mit Make, wenn Sie etwas technisches Interesse haben. Die Investition in die Lernkurve zahlt sich durch niedrigere Kosten und mehr Flexibilität aus.