ROI & Methodik

Rabattrechner: Rabatte richtig kalkulieren ohne Marge zu verlieren

Rabatte berechnen und kalkulieren: Wie viel Rabatt können Sie geben? Deckungsbeitrag behalten, Gewinn sichern. Mit Formeln und praktischen Beispielen.

10 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 22.1.2026

"Können Sie mir 20% Rabatt geben?" - Eine Frage, die jeder Unternehmer kennt. Aber können Sie sich den Rabatt leisten? Und wie wirkt er sich auf Ihren Gewinn aus?

Ein Rabatt von 20% auf den Verkaufspreis bedeutet nicht 20% weniger Gewinn - er kann 50%, 80% oder sogar 100% Ihres Gewinns vernichten.

Was Sie lernen:

  • Wie Rabatte Ihre Marge beeinflussen
  • Formeln zur Rabattberechnung
  • Maximaler Rabatt ohne Verlust
  • Strategien für bessere Verhandlungen

Warum Rabatte gefährlicher sind als gedacht

Das Missverständnis:

Viele denken: "20% Rabatt = 20% weniger Gewinn"

Die Realität: Rabatte wirken auf den Verkaufspreis, nicht auf den Gewinn.

Beispiel:

  • Verkaufspreis: 100€
  • Einkaufspreis: 70€
  • Gewinn: 30€ (30% Marge)

Bei 20% Rabatt:

  • Neuer Preis: 80€
  • Einkaufspreis: 70€ (bleibt gleich!)
  • Neuer Gewinn: 10€

Ergebnis: 20% Rabatt = 67% weniger Gewinn!

Die Faustregel:

Je geringer Ihre Marge, desto härter trifft Sie ein Rabatt.

Grundformeln zur Rabattberechnung

Die wichtigsten Formeln für Ihre Kalkulation:

Rabatt in Euro berechnen

Formel:

`

Rabatt (€) = Originalpreis × (Rabatt% ÷ 100)

`

Beispiel:

Originalpreis: 250€, Rabatt: 15%

→ 250 × 0,15 = 37,50€ Rabatt

→ Neuer Preis: 212,50€

Neuen Preis nach Rabatt berechnen

Formel:

`

Neuer Preis = Originalpreis × (1 - Rabatt% ÷ 100)

`

Beispiel:

Originalpreis: 500€, Rabatt: 12%

→ 500 × (1 - 0,12) = 500 × 0,88 = 440€

Rabatt-Prozentsatz ermitteln

Formel:

`

Rabatt% = ((Originalpreis - Neuer Preis) ÷ Originalpreis) × 100

`

Beispiel:

Originalpreis: 80€, Neuer Preis: 68€

→ ((80 - 68) ÷ 80) × 100 = 15%

Gewinnverlust durch Rabatt

Formel:

`

Gewinnverlust% = Rabatt% ÷ Marge% × 100

`

Beispiel:

Marge: 25%, Rabatt: 10%

→ 10 ÷ 25 × 100 = 40% Gewinnverlust

Tabelle: Gewinnverlust bei verschiedenen Margen

| Marge | 5% Rabatt | 10% Rabatt | 15% Rabatt | 20% Rabatt |

|-------|-----------|------------|------------|------------|

| 50% | 10% | 20% | 30% | 40% |

| 40% | 12,5% | 25% | 37,5% | 50% |

| 30% | 16,7% | 33% | 50% | 67% |

| 25% | 20% | 40% | 60% | 80% |

| 20% | 25% | 50% | 75% | 100% |

| 15% | 33% | 67% | 100% | Verlust |

Maximalen Rabatt berechnen

Wie viel Rabatt können Sie maximal geben?

Rabattgrenze ohne Verlust

Der maximale Rabatt = Ihre Marge

Bei 30% Marge können Sie maximal 30% Rabatt geben - dann machen Sie null Gewinn.

Aber: Null Gewinn ist kein Geschäft.

Praktische Grenze:

`

Max. sinnvoller Rabatt = Marge × 0,5 bis 0,7

`

Bei 30% Marge: Max. 15-21% Rabatt (um noch Gewinn zu machen)

Break-Even bei Rabattaktionen

Frage: Wie viel mehr müssen Sie verkaufen, um einen Rabatt auszugleichen?

Formel:

`

Zusatzverkäufe% = Rabatt% ÷ (Marge% - Rabatt%) × 100

`

Beispiel:

Marge: 40%, Rabatt: 10%

→ 10 ÷ (40 - 10) × 100 = 33% mehr Verkäufe nötig

Tabelle: Zusatzverkäufe zum Ausgleich

| Marge | 5% Rabatt | 10% Rabatt | 15% Rabatt | 20% Rabatt |

|-------|-----------|------------|------------|------------|

| 40% | +14% | +33% | +60% | +100% |

| 30% | +20% | +50% | +100% | +200% |

| 25% | +25% | +67% | +150% | +400% |

| 20% | +33% | +100% | +300% | ∞ |

Verschiedene Rabattarten kalkulieren

Nicht jeder Rabatt ist gleich:

Skonto

Definition: Preisnachlass für schnelle Zahlung

Typisch: "2% Skonto bei Zahlung innerhalb 10 Tagen"

Rechnung:

`

Effektiver Jahreszins = (Skonto% ÷ (100 - Skonto%)) × (360 ÷ (Zahlungsziel - Skontofrist)) × 100

`

Beispiel: 2% Skonto bei Zahlung in 10 statt 30 Tagen

→ (2 ÷ 98) × (360 ÷ 20) × 100 = 36,7% p.a.

Für Ihre Kunden extrem attraktiv - für Sie teuer!

Empfehlung: Max. 1-2% Skonto anbieten

Mengenrabatt

Staffelrabatte richtig kalkulieren:

Beispiel-Staffel:

  • 1-10 Stück: Listenpreis
  • 11-50 Stück: 5% Rabatt
  • 51-100 Stück: 10% Rabatt
  • >100 Stück: 15% Rabatt

Kalkulation:

Prüfen Sie für jede Stufe:

  1. Zusätzlicher Umsatz durch größere Bestellung
  2. Gewinnverlust durch Rabatt
  3. Einsparung durch effizientere Abwicklung

Faustregel: Mengenrabatt sollte unter Ihrer Kostenersparnis liegen.

Treuerabatt

Für Stammkunden:

Varianten:

  • Fester Prozentsatz (z.B. 5% für Stammkunden)
  • Jahresbonus (Rückvergütung bei Umsatzschwelle)
  • Punkte-System

Kalkulation:

Kundenwert über Lebenszeit (Customer Lifetime Value) berücksichtigen.

Ein Kunde, der 10 Jahre kauft, verträgt höheren Rabatt als Neukunde.

Rabattverhandlungen: Alternativen anbieten

Statt Rabatt zu geben, bieten Sie Mehrwert:

Alternative 1: Mehr Leistung statt weniger Preis

  • "Statt 10% Rabatt: Kostenlose Lieferung"
  • "Statt Preisnachlass: Verlängerte Garantie"
  • "Statt Rabatt: Zusatzleistung inklusive"

Alternative 2: Zahlungsbedingungen

  • Längeres Zahlungsziel
  • Ratenzahlung ohne Aufpreis
  • Zahlung nach Projektabschluss

Alternative 3: Volumenbasiert

  • Rabatt nur bei Mindestmenge
  • Jahresvereinbarung mit Rückvergütung
  • Exklusivvereinbarung

Alternative 4: Timing

  • Rabatt für Auftrag in schwacher Saison
  • Frühbucherrabatt
  • Rabatt bei flexiblem Termin

Vorteil: Diese Alternativen kosten Sie oft weniger als der Rabatt.

Rabattaktionen planen

Wenn Sie Rabatte geben - dann richtig:

Vor der Aktion kalkulieren

Checkliste:

  1. Welche Marge habe ich auf die Produkte?
  2. Wie viel Rabatt kann ich maximal geben?
  3. Wie viel mehr muss ich verkaufen?
  4. Ist das realistisch?
  5. Was kostet mich die Aktion (Werbung, Aufwand)?

Beispiel-Kalkulation:

Produkt: Dienstleistung

  • Verkaufspreis: 200€
  • Variable Kosten: 120€
  • Deckungsbeitrag: 80€ (40%)

Aktion: 20% Rabatt

  • Neuer Preis: 160€
  • Variable Kosten: 120€
  • Neuer DB: 40€

→ Brauche doppelt so viele Aufträge für gleichen Gewinn

→ Ist das realistisch? Wenn ja: Aktion machen. Wenn nein: lassen.

Zeitlich begrenzen

Immer befristet:

  • "Gültig bis 31.01."
  • "Nur diese Woche"
  • "Solange Vorrat reicht"

Warum?

  • Erzeugt Dringlichkeit
  • Schützt Ihre normale Preisstruktur
  • Ermöglicht Rückkehr zum Normalpreis

Niemals: Dauerhafte Rabatte ohne Gegenleistung

Praxisbeispiele nach Branche

So kalkulieren verschiedene Branchen:

Handwerk

Typische Marge: 15-25% auf Material, 30-50% auf Arbeitszeit

Beispiel Malerarbeiten:

  • Angebotssumme: 3.000€
  • Material: 800€ (EK 600€)
  • Arbeitszeit: 2.200€ (Kosten 1.500€)
  • Gesamtmarge: ca. 30%

Maximaler Rabatt: 10-15%

Bei 15% Rabatt → nur noch 15% Gewinn

Besser: Rabatt nur auf Material oder Nebenleistungen

Einzelhandel

Typische Marge: 30-50% (je nach Branche)

Beispiel Modegeschäft:

  • VK: 100€
  • EK: 50€
  • Marge: 50%

Bei 30% Rabatt:

  • Neuer VK: 70€
  • Gewinn: 20€ statt 50€
  • = 60% Gewinnverlust

Strategie: Rabatte nur auf Saisonware, nicht auf Neuware

Dienstleister

Typische Marge: 40-60% (nach Personalkosten)

Beispiel Beratung:

  • Tagessatz: 1.200€
  • Kosten: 600€
  • Marge: 50%

Empfehlung: Keine pauschalen Rabatte

  • Stattdessen: Paketpreise
  • Oder: Rabatt nur bei Volumen

Niemals: "Freundschaftspreis" ohne echte Kalkulation

Häufige Fehler vermeiden

Diese Fehler kosten Unternehmer Geld:

Fehler 1: Rabatt ohne Kalkulation

  • "20% geben alle, machen wir auch"
  • Problem: Sie wissen nicht, ob Sie sich das leisten können
  • Lösung: Immer vorher rechnen

Fehler 2: Rabatt auf alles

  • Pauschaler Rabatt auf gesamtes Sortiment
  • Problem: Bei Low-Margin-Produkten = Verlust
  • Lösung: Rabatt nur auf margenstarke Produkte

Fehler 3: Rabatt ohne Gegenleistung

  • "Sie sind nett, ich gebe 10% Rabatt"
  • Problem: Kein Grund für Kunden, mehr zu kaufen
  • Lösung: Rabatt immer an Bedingung knüpfen

Fehler 4: Rabatt wird Standard

  • Kunden erwarten immer Rabatt
  • Normalpreis wird nicht mehr akzeptiert
  • Lösung: Rabatte selten und besonders machen

Fehler 5: Rabatt aus Angst

  • Kunde zögert → sofort Rabatt anbieten
  • Problem: Signalisiert, dass Preis zu hoch war
  • Lösung: Erst Mehrwert argumentieren, Rabatt als letztes Mittel

Tools zur Rabattkalkulation

Diese Tools helfen bei der Kalkulation:

Excel/Google Sheets:

Einfache Tabelle mit Formeln reicht für die meisten Fälle.

Warenwirtschaft:

  • Lexware, JTL, Sage - haben Kalkulationsfunktionen
  • Zeigen Marge pro Produkt
  • Warnen bei zu niedrigem Preis

Angebotssoftware:

  • Zeigt Marge während Angebotserstellung
  • Verhindert unrentable Angebote

Empfehlung:

Marge sollte bei jedem Verkauf sichtbar sein - nicht erst am Monatsende.

Fazit

Rabatte können sinnvoll sein - aber nur, wenn Sie wissen, was Sie tun.

Die wichtigsten Punkte:

  1. Rabatt auf Preis ≠ Rabatt auf Gewinn (meist viel schlimmer)
  2. Maximaler Rabatt = Ihre Marge (darüber = Verlust)
  3. Vor jedem Rabatt kalkulieren: Zusatzverkäufe realistisch?
  4. Alternativen anbieten: Mehrwert statt Preisnachlass
  5. Rabatte immer zeitlich begrenzen

Faustregeln:

  • Bei 30% Marge: Max. 15% Rabatt
  • Bei 20% Marge: Max. 10% Rabatt
  • Bei 15% Marge: Besser keine Rabatte

Merksatz:

"Ein Rabatt ist schnell gegeben, aber der verlorene Gewinn kommt nie zurück."

Kalkulieren Sie jeden Rabatt - Ihr Bankkonto wird es Ihnen danken.

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