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ROI & Methodik

Deckungsbeitrag berechnen: Formel, Beispiele und Interpretation

Deckungsbeitrag verstehen und berechnen: DB I und DB II, Deckungsbeitragsrechnung für kleine Unternehmen. Mit Formeln, Excel-Vorlage und Praxisbeispielen.

12 Min. LesezeitAktualisiert: 22. Januar 2026
Worum es geht

Welches Produkt lohnt sich wirklich? Welcher Auftrag bringt Geld, welcher kostet nur? Der Deckungsbeitrag gibt die Antwort.

Die Deckungsbeitragsrechnung ist eines der wichtigsten Werkzeuge für Unternehmer - und überraschend einfach zu verstehen.

Was Sie lernen:

  • Was der Deckungsbeitrag aussagt
  • Wie Sie ihn berechnen (mit Formeln)
  • DB I und DB II verstehen
  • Praktische Anwendung für Ihr Unternehmen

Was ist der Deckungsbeitrag?

Einfach erklärt:

Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel ein Produkt oder Auftrag zur Deckung Ihrer Fixkosten und zum Gewinn beiträgt.

Die Grundidee:

Jedes Unternehmen hat:

  • Variable Kosten: Entstehen pro Produkt/Auftrag (Material, Arbeitszeit)
  • Fixkosten: Fallen immer an, egal wie viel Sie verkaufen (Miete, Versicherung)

Der Deckungsbeitrag = Was übrig bleibt, nachdem die variablen Kosten bezahlt sind.

Beispiel:

  • Verkaufspreis Stuhl: 200€
  • Variable Kosten (Holz, Arbeitszeit): 120€
  • Deckungsbeitrag: 80€

Diese 80€ tragen zur Deckung der Fixkosten bei. Wenn alle Fixkosten gedeckt sind, ist der Rest Gewinn.

Die Grundformel

Deckungsbeitrag (DB):

`

DB = Umsatz - Variable Kosten

`

Stückdeckungsbeitrag (db):

`

db = Verkaufspreis - Variable Stückkosten

`

Deckungsbeitrag in Prozent:

`

DB% = (Deckungsbeitrag ÷ Umsatz) × 100

`

Beispiel Handwerksbetrieb:

| Position | Betrag |

|----------|--------|

| Verkaufspreis Auftrag | 5.000€ |

| - Material | 1.500€ |

| - Produktive Arbeitszeit | 2.000€ |

| = Deckungsbeitrag | 1.500€ |

| = DB% | 30% |

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DB I und DB II: Was ist der Unterschied?

Für genauere Analysen unterscheidet man:

Deckungsbeitrag I (DB I)

Definition:

`

DB I = Umsatz - Variable Kosten

`

Enthält nur die direkt zurechenbaren Kosten:

  • Materialkosten
  • Fertigungslöhne (produktive Stunden)
  • Fremdleistungen für diesen Auftrag

Beispiel:

  • Umsatz: 10.000€
  • Material: 3.000€
  • Produktive Löhne: 4.000€
  • DB I = 3.000€ (30%)

Deckungsbeitrag II (DB II)

Definition:

`

DB II = DB I - Produktfixkosten

`

Zusätzlich abgezogen werden:

  • Fixkosten, die einem Produkt/Bereich zugeordnet werden können
  • Z.B. Maschine nur für dieses Produkt
  • Z.B. Mitarbeiter nur für diesen Bereich

Beispiel:

  • DB I: 3.000€
  • Maschinenabschreibung (anteilig): 500€
  • Meister für diesen Bereich: 800€
  • DB II = 1.700€

Wofür DB II?

Zeigt, ob ein ganzer Produktbereich profitabel ist - nicht nur einzelne Aufträge.

Wann was verwenden?

DB I verwenden für:

  • Kurzfristige Entscheidungen
  • Preisuntergrenzen
  • Angebotsvergleiche
  • "Lohnt sich dieser Auftrag?"

DB II verwenden für:

  • Langfristige Entscheidungen
  • Sortimentsanalyse
  • "Sollen wir diesen Produktbereich behalten?"

Für kleine Unternehmen: DB I reicht meist völlig aus.

Break-Even-Point berechnen

Ab wann machen Sie Gewinn?

Formel:

`

Break-Even-Menge = Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag

`

Beispiel Bäckerei:

  • Fixkosten pro Monat: 8.000€ (Miete, Gehälter, etc.)
  • Verkaufspreis Brötchen: 0,50€
  • Variable Kosten: 0,15€
  • Stückdeckungsbeitrag: 0,35€

Break-Even = 8.000€ ÷ 0,35€ = 22.857 Brötchen

→ Ab dem 22.858. Brötchen machen Sie Gewinn.

Break-Even-Umsatz:

`

Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ DB%

`

Beispiel: 8.000€ ÷ 0,70 (70% DB) = 11.429€ Umsatz nötig

Praktische Anwendungen

So nutzen Sie den Deckungsbeitrag im Alltag:

Preisuntergrenze bestimmen

Kurzfristige Preisuntergrenze = Variable Kosten

Solange der Preis über den variablen Kosten liegt, tragen Sie zur Fixkostendeckung bei.

Beispiel:

  • Variable Kosten: 80€
  • Kunde bietet: 90€
  • Normalpreis: 120€

→ Annahme macht Sinn, wenn Kapazität frei ist (10€ DB ist besser als 0€)

Aber Vorsicht:

  • Nur bei freien Kapazitäten
  • Nicht als Standardpreis etablieren
  • Langfristig müssen alle Kosten gedeckt sein

Produkte vergleichen

Welches Produkt lohnt sich mehr?

| Produkt | VK | Var. Kosten | DB | DB% |

|---------|-----|-------------|-----|-----|

| A | 100€ | 60€ | 40€ | 40% |

| B | 200€ | 150€ | 50€ | 25% |

| C | 50€ | 20€ | 30€ | 60% |

Nach absolutem DB: B > A > C

Nach DB%: C > A > B

Was ist wichtiger?

  • Bei begrenzter Kapazität: DB% (Produkt C)
  • Bei unbegrenzter Kapazität: Absoluter DB (Produkt B)

Praxis: Meist ist Kapazität begrenzt → DB% oft relevanter

Engpass optimieren

Bei begrenzten Ressourcen: DB pro Engpasseinheit berechnen.

Beispiel: Tischlerei mit begrenzten Maschinenstunden

| Produkt | DB | Maschinenzeit | DB/Stunde |

|---------|-----|---------------|-----------|

| Tisch | 200€ | 4h | 50€/h |

| Stuhl | 80€ | 1h | 80€/h |

| Schrank | 500€ | 10h | 50€/h |

Stühle bringen pro Maschinenstunde am meisten!

Bei 160 Maschinenstunden/Monat:

  • Nur Stühle: 160 × 80€ = 12.800€ DB
  • Nur Tische: 40 × 200€ = 8.000€ DB
  • Nur Schränke: 16 × 500€ = 8.000€ DB

Make or Buy

Selbst machen oder zukaufen?

Vergleichen Sie:

  • Variable Kosten der Eigenfertigung
  • Einkaufspreis bei Fremdbezug

Beispiel:

  • Bauteil selbst fertigen: 25€ variable Kosten
  • Bauteil kaufen: 30€

→ Selbst fertigen, wenn Kapazität vorhanden

→ Kaufen, wenn Kapazität besser genutzt werden kann

Aber: Fixkosten der eigenen Fertigung bleiben. Entscheidung nur für kurzfristig sinnvoll.

Deckungsbeitragsrechnung erstellen

Schritt für Schritt zur eigenen Kalkulation:

Schritt 1: Kosten klassifizieren

Variable Kosten (ändern sich mit Menge):

  • Material/Wareneinsatz
  • Produktive Arbeitsstunden
  • Verpackung
  • Versandkosten
  • Provisionen

Fixkosten (bleiben gleich):

  • Miete
  • Gehälter (Verwaltung)
  • Versicherungen
  • Abschreibungen
  • Werbung (Basisbudget)

Mischkosten aufteilen:

Stromkosten: 70% fix (Grundbetrieb), 30% variabel (Produktion)

Schritt 2: Variable Stückkosten ermitteln

Für jedes Produkt/jede Leistung:

  1. Materialverbrauch pro Stück
  2. Arbeitszeit pro Stück × Stundensatz
  3. Sonstige variable Kosten pro Stück

Beispiel Tisch:

  • Holz: 80€
  • Beschläge: 20€
  • Lack: 10€
  • Arbeitszeit: 8h × 35€ = 280€
  • Variable Kosten: 390€

Schritt 3: Deckungsbeitrag berechnen

Pro Produkt:

`

Verkaufspreis - Variable Kosten = Deckungsbeitrag

`

Tisch-Beispiel:

  • Verkaufspreis: 600€
  • Variable Kosten: 390€
  • DB: 210€ (35%)

Gesamtunternehmen (Monat):

`

Gesamtumsatz - Gesamte variable Kosten = Gesamt-DB

Gesamt-DB - Fixkosten = Gewinn

`

Schritt 4: Ergebnisse analysieren

Auswertung:

  1. Welche Produkte haben den höchsten DB%?
  2. Wo ist der DB zu niedrig?
  3. Wie hoch ist der Break-Even?
  4. Wie viel Puffer haben Sie über Break-Even?

Maßnahmen bei niedrigem DB:

  • Preis erhöhen
  • Variable Kosten senken
  • Produkt aus Sortiment nehmen
  • Durch profitableres ersetzen

Excel-Vorlage: Einfache DB-Rechnung

Aufbau der Tabelle:

| Spalte | Inhalt |

|--------|--------|

| A | Produkt/Leistung |

| B | Verkaufspreis |

| C | Variable Kosten |

| D | Deckungsbeitrag (=B-C) |

| E | DB% (=D/B) |

| F | Menge verkauft |

| G | Gesamt-DB (=D*F) |

Unterhalb: Zusammenfassung

| | |

|---|---|

| Summe Gesamt-DB | =SUMME(G:G) |

| - Fixkosten | (manuell eintragen) |

| = Gewinn | =Summe-Fixkosten |

Tipp: In Google Sheets oder Excel anlegen und monatlich aktualisieren.

Häufige Fehler bei der DB-Rechnung

Fehler 1: Fixkosten umlegen

  • "Jeder Auftrag muss seinen Anteil Fixkosten tragen"
  • Problem: Führt zu falschen Entscheidungen
  • Richtig: Fixkosten separat betrachten

Fehler 2: Zu wenig Kosten als variabel

  • Alles als Fixkosten einordnen
  • DB erscheint höher als er ist
  • Lösung: Ehrlich klassifizieren

Fehler 3: Stundensatz vergessen

  • Nur Materialkosten als variabel
  • Arbeitszeit "kostet ja nichts"
  • Lösung: Produktive Stunden × Stundensatz

Fehler 4: Unterschiedliche Zeiträume

  • DB pro Stück mit monatlichen Fixkosten vergleichen
  • Äpfel und Birnen
  • Lösung: Gleiche Zeiträume verwenden

Fehler 5: Nur auf DB% schauen

  • Produkt mit 60% DB bevorzugen, obwohl es nur 10€ bringt
  • Produkt mit 20% DB ablehnen, obwohl es 500€ bringt
  • Lösung: Absoluten DB und DB% betrachten

Branchenbeispiele

Handwerk (Maler):

  • Auftrag: 3.000€
  • Farbe, Material: 600€
  • Arbeitszeit: 40h × 32€ = 1.280€
  • DB: 1.120€ (37%)

Dienstleistung (Berater):

  • Tagessatz: 1.200€
  • Variable Kosten: 50€ (Fahrt, Material)
  • DB: 1.150€ (96%)

→ Fast alles ist DB, weil kaum variable Kosten

Einzelhandel:

  • VK: 50€
  • EK: 30€
  • DB: 20€ (40%)

Gastronomie:

  • Gericht VK: 15€
  • Wareneinsatz: 4,50€ (30%)
  • DB: 10,50€ (70%)

→ Hoher DB%, aber niedrige absolute Zahlen

Produktion:

  • VK: 500€
  • Material: 200€
  • Fertigung: 150€
  • DB: 150€ (30%)
Fazit

Der Deckungsbeitrag ist Ihr Kompass für profitable Entscheidungen - und einfacher zu berechnen als viele denken.

Die wichtigsten Punkte:

  1. DB = Verkaufspreis - Variable Kosten
  2. Der DB "deckt" Ihre Fixkosten und den Gewinn
  3. Break-Even = Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag
  4. Bei begrenzter Kapazität: DB pro Engpasseinheit optimieren
  5. DB I für kurzfristige, DB II für langfristige Entscheidungen

Ihre nächsten Schritte:

  1. Kosten in variabel und fix aufteilen
  2. Variable Kosten pro Produkt/Leistung ermitteln
  3. DB für jedes Angebot berechnen
  4. Break-Even für Ihr Unternehmen kennen

Faustformel:

Ein gesunder DB liegt bei 30-50% für Handwerk/Handel, bei 60-90% für Dienstleistungen.

Wer seinen Deckungsbeitrag kennt, macht keine unrentablen Geschäfte mehr.

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