Welches Produkt lohnt sich wirklich? Welcher Auftrag bringt Geld, welcher kostet nur? Der Deckungsbeitrag gibt die Antwort.
Die Deckungsbeitragsrechnung ist eines der wichtigsten Werkzeuge für Unternehmer - und überraschend einfach zu verstehen.
Was Sie lernen:
- Was der Deckungsbeitrag aussagt
- Wie Sie ihn berechnen (mit Formeln)
- DB I und DB II verstehen
- Praktische Anwendung für Ihr Unternehmen
Was ist der Deckungsbeitrag?
Einfach erklärt:
Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel ein Produkt oder Auftrag zur Deckung Ihrer Fixkosten und zum Gewinn beiträgt.
Die Grundidee:
Jedes Unternehmen hat:
- Variable Kosten: Entstehen pro Produkt/Auftrag (Material, Arbeitszeit)
- Fixkosten: Fallen immer an, egal wie viel Sie verkaufen (Miete, Versicherung)
Der Deckungsbeitrag = Was übrig bleibt, nachdem die variablen Kosten bezahlt sind.
Beispiel:
- Verkaufspreis Stuhl: 200 €
- Variable Kosten (Holz, Arbeitszeit): 120 €
- Deckungsbeitrag: 80 €
Diese 80 € tragen zur Deckung der Fixkosten bei. Wenn alle Fixkosten gedeckt sind, ist der Rest Gewinn.
Die Grundformel
Deckungsbeitrag (DB):
DB = Umsatz - Variable KostenStückdeckungsbeitrag (db):
db = Verkaufspreis - Variable StückkostenDeckungsbeitrag in Prozent:
DB% = (Deckungsbeitrag ÷ Umsatz) × 100Beispiel Handwerksbetrieb:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis Auftrag | 5.000 € |
| - Material | 1.500 € |
| - Produktive Arbeitszeit | 2.000 € |
| = Deckungsbeitrag | 1.500 € |
| = DB% | 30 % |
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DB I und DB II: Was ist der Unterschied?
Für genauere Analysen unterscheidet man:
Deckungsbeitrag I (DB I)
Definition:
DB I = Umsatz - Variable KostenEnthält nur die direkt zurechenbaren Kosten:
- Materialkosten
- Fertigungslöhne (produktive Stunden)
- Fremdleistungen für diesen Auftrag
Beispiel:
- Umsatz: 10.000 €
- Material: 3.000 €
- Produktive Löhne: 4.000 €
- DB I = 3.000 € (30 %)
Deckungsbeitrag II (DB II)
Definition:
DB II = DB I - ProduktfixkostenZusätzlich abgezogen werden:
- Fixkosten, die einem Produkt/Bereich zugeordnet werden können
- Z.B. Maschine nur für dieses Produkt
- Z.B. Mitarbeiter nur für diesen Bereich
Beispiel:
- DB I: 3.000 €
- Maschinenabschreibung (anteilig): 500 €
- Meister für diesen Bereich: 800 €
- DB II = 1.700 €
Wofür DB II?
Zeigt, ob ein ganzer Produktbereich profitabel ist - nicht nur einzelne Aufträge.
Wann was verwenden?
DB I verwenden für:
- Kurzfristige Entscheidungen
- Preisuntergrenzen
- Angebotsvergleiche
- „Lohnt sich dieser Auftrag?“
DB II verwenden für:
- Langfristige Entscheidungen
- Sortimentsanalyse
- „Sollen wir diesen Produktbereich behalten?“
Für kleine Unternehmen: DB I reicht meist völlig aus.
Break-Even-Point berechnen
Ab wann machen Sie Gewinn?
Formel:
Break-Even-Menge = Fixkosten ÷ StückdeckungsbeitragBeispiel Bäckerei:
- Fixkosten pro Monat: 8.000 € (Miete, Gehälter, etc.)
- Verkaufspreis Brötchen: 0,50 €
- Variable Kosten: 0,15 €
- Stückdeckungsbeitrag: 0,35 €
Break-Even = 8.000 € ÷ 0,35 € = 22.857 Brötchen
→ Ab dem 22.858. Brötchen machen Sie Gewinn.
Break-Even-Umsatz:
Break-Even-Umsatz = Fixkosten ÷ DB%Beispiel: 8.000 € ÷ 0,70 (70 % DB) = 11.429 € Umsatz nötig
Praktische Anwendungen
So nutzen Sie den Deckungsbeitrag im Alltag:
Preisuntergrenze bestimmen
Kurzfristige Preisuntergrenze = Variable Kosten
Solange der Preis über den variablen Kosten liegt, tragen Sie zur Fixkostendeckung bei.
Beispiel:
- Variable Kosten: 80 €
- Kunde bietet: 90 €
- Normalpreis: 120 €
→ Annahme macht Sinn, wenn Kapazität frei ist (10 € DB ist besser als 0 €)
Aber Vorsicht:
- Nur bei freien Kapazitäten
- Nicht als Standardpreis etablieren
- Langfristig müssen alle Kosten gedeckt sein
Produkte vergleichen
Welches Produkt lohnt sich mehr?
| Produkt | VK | Var. Kosten | DB | DB% |
|---|---|---|---|---|
| A | 100 € | 60 € | 40 € | 40 % |
| B | 200 € | 150 € | 50 € | 25 % |
| C | 50 € | 20 € | 30 € | 60 % |
Nach absolutem DB: B > A > C
Nach DB%: C > A > B
Was ist wichtiger?
- Bei begrenzter Kapazität: DB% (Produkt C)
- Bei unbegrenzter Kapazität: Absoluter DB (Produkt B)
Praxis: Meist ist Kapazität begrenzt → DB% oft relevanter
Engpass optimieren
Bei begrenzten Ressourcen: DB pro Engpasseinheit berechnen.
Beispiel: Tischlerei mit begrenzten Maschinenstunden
| Produkt | DB | Maschinenzeit | DB/Stunde |
|---|---|---|---|
| Tisch | 200 € | 4 h | 50 €/h |
| Stuhl | 80 € | 1 h | 80 €/h |
| Schrank | 500 € | 10 h | 50 €/h |
→ Stühle bringen pro Maschinenstunde am meisten!
Bei 160 Maschinenstunden/Monat:
- Nur Stühle: 160 × 80 € = 12.800 € DB
- Nur Tische: 40 × 200 € = 8.000 € DB
- Nur Schränke: 16 × 500 € = 8.000 € DB
Make or Buy
Selbst machen oder zukaufen?
Vergleichen Sie:
- Variable Kosten der Eigenfertigung
- Einkaufspreis bei Fremdbezug
Beispiel:
- Bauteil selbst fertigen: 25 € variable Kosten
- Bauteil kaufen: 30 €
→ Selbst fertigen, wenn Kapazität vorhanden
→ Kaufen, wenn Kapazität besser genutzt werden kann
Aber: Fixkosten der eigenen Fertigung bleiben. Entscheidung nur für kurzfristig sinnvoll.
Deckungsbeitragsrechnung erstellen
Schritt für Schritt zur eigenen Kalkulation:
Schritt 1: Kosten klassifizieren
Variable Kosten (ändern sich mit Menge):
- Material/Wareneinsatz
- Produktive Arbeitsstunden
- Verpackung
- Versandkosten
- Provisionen
Fixkosten (bleiben gleich):
- Miete
- Gehälter (Verwaltung)
- Versicherungen
- Abschreibungen
- Werbung (Basisbudget)
Mischkosten aufteilen:
Stromkosten: 70 % fix (Grundbetrieb), 30 % variabel (Produktion)
Schritt 2: Variable Stückkosten ermitteln
Für jedes Produkt/jede Leistung:
- Materialverbrauch pro Stück
- Arbeitszeit pro Stück × Stundensatz
- Sonstige variable Kosten pro Stück
Beispiel Tisch:
- Holz: 80 €
- Beschläge: 20 €
- Lack: 10 €
- Arbeitszeit: 8 h × 35 € = 280 €
- Variable Kosten: 390 €
Schritt 3: Deckungsbeitrag berechnen
Pro Produkt:
Verkaufspreis - Variable Kosten = DeckungsbeitragTisch-Beispiel:
- Verkaufspreis: 600 €
- Variable Kosten: 390 €
- DB: 210 € (35 %)
Gesamtunternehmen (Monat):
Gesamtumsatz - Gesamte variable Kosten = Gesamt-DB
Gesamt-DB - Fixkosten = GewinnSchritt 4: Ergebnisse analysieren
Auswertung:
- Welche Produkte haben den höchsten DB%?
- Wo ist der DB zu niedrig?
- Wie hoch ist der Break-Even?
- Wie viel Puffer haben Sie über Break-Even?
Maßnahmen bei niedrigem DB:
- Preis erhöhen
- Variable Kosten senken
- Produkt aus Sortiment nehmen
- Durch profitableres ersetzen
Excel-Vorlage: Einfache DB-Rechnung
Aufbau der Tabelle:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| A | Produkt/Leistung |
| B | Verkaufspreis |
| C | Variable Kosten |
| D | Deckungsbeitrag (=B-C) |
| E | DB% (=D/B) |
| F | Menge verkauft |
| G | Gesamt-DB (=D*F) |
Unterhalb: Zusammenfassung
| Summe Gesamt-DB | =SUMME(G:G) |
| - Fixkosten | (manuell eintragen) |
| = Gewinn | =Summe-Fixkosten |
Tipp: In Google Sheets oder Excel anlegen und monatlich aktualisieren.
Häufige Fehler bei der DB-Rechnung
Fehler 1: Fixkosten umlegen
- „Jeder Auftrag muss seinen Anteil Fixkosten tragen“
- Problem: Führt zu falschen Entscheidungen
- Richtig: Fixkosten separat betrachten
Fehler 2: Zu wenig Kosten als variabel
- Alles als Fixkosten einordnen
- DB erscheint höher als er ist
- Lösung: Ehrlich klassifizieren
Fehler 3: Stundensatz vergessen
- Nur Materialkosten als variabel
- Arbeitszeit „kostet ja nichts“
- Lösung: Produktive Stunden × Stundensatz
Fehler 4: Unterschiedliche Zeiträume
- DB pro Stück mit monatlichen Fixkosten vergleichen
- Äpfel und Birnen
- Lösung: Gleiche Zeiträume verwenden
Fehler 5: Nur auf DB% schauen
- Produkt mit 60 % DB bevorzugen, obwohl es nur 10 € bringt
- Produkt mit 20 % DB ablehnen, obwohl es 500 € bringt
- Lösung: Absoluten DB und DB% betrachten
Branchenbeispiele
Handwerk (Maler):
- Auftrag: 3.000 €
- Farbe, Material: 600 €
- Arbeitszeit: 40 h × 32 € = 1.280 €
- DB: 1.120 € (37 %)
Dienstleistung (Berater):
- Tagessatz: 1.200 €
- Variable Kosten: 50 € (Fahrt, Material)
- DB: 1.150 € (96 %)
→ Fast alles ist DB, weil kaum variable Kosten
Einzelhandel:
- VK: 50 €
- EK: 30 €
- DB: 20 € (40 %)
Gastronomie:
- Gericht VK: 15 €
- Wareneinsatz: 4,50 € (30 %)
- DB: 10,50 € (70 %)
→ Hoher DB%, aber niedrige absolute Zahlen
Produktion:
- VK: 500 €
- Material: 200 €
- Fertigung: 150 €
- DB: 150 € (30 %)
Der Deckungsbeitrag ist Ihr Kompass für profitable Entscheidungen - und einfacher zu berechnen als viele denken.
Die wichtigsten Punkte:
- DB = Verkaufspreis - Variable Kosten
- Der DB „deckt“ Ihre Fixkosten und den Gewinn
- Break-Even = Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag
- Bei begrenzter Kapazität: DB pro Engpasseinheit optimieren
- DB I für kurzfristige, DB II für langfristige Entscheidungen
Ihre nächsten Schritte:
- Kosten in variabel und fix aufteilen
- Variable Kosten pro Produkt/Leistung ermitteln
- DB für jedes Angebot berechnen
- Break-Even für Ihr Unternehmen kennen
Faustformel:
Ein gesunder DB liegt bei 30-50 % für Handwerk/Handel, bei 60-90 % für Dienstleistungen.
Wer seinen Deckungsbeitrag kennt, macht keine unrentablen Geschäfte mehr.