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Menü-Automatisierung Restaurant: Digitale Speisekarte & Planung

Menü automatisieren im Restaurant: Digitale Speisekarte, automatische Preisanpassung, Menüplanung per Software. So sparen Gastronomen 5-8h/Woche.

10 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 20.1.2025

Die Speisekarte ist das Herzstück jedes Restaurants – aber auch ein administrativer Albtraum. Preise anpassen, Allergene aktualisieren, saisonale Änderungen einpflegen, Druckkosten für neue Karten...

Mit Menü-Automatisierung wird das einfacher: Digitale Speisekarten, die sich automatisch aktualisieren. Software, die Preise basierend auf Wareneinsatz kalkuliert. Systeme, die Ihr Menü überall gleichzeitig ändern – Website, Google, Lieferportal.

Dieser Guide zeigt, wie Sie Ihr Menü-Management automatisieren und dabei 5-8 Stunden pro Woche sparen.

Das Problem mit traditionellem Menü-Management

Warum Menü-Automatisierung für Restaurants wichtig ist:

Der typische Ablauf ohne Automatisierung

Bei jeder Menü-Änderung:

  1. Speisekarte am Computer bearbeiten (Word/InDesign)
  2. PDF erstellen
  3. Druckerei beauftragen oder selbst drucken
  4. Alte Karten entsorgen, neue einlegen
  5. Website manuell aktualisieren
  6. Google Business aktualisieren
  7. Lieferando/Wolt aktualisieren
  8. Aushänge vor der Tür aktualisieren

Zeitaufwand:

  • Kleine Änderung (Preis): 1-2 Stunden
  • Saisonale Umstellung: 4-8 Stunden
  • Komplette Neugestaltung: 15-20 Stunden

Probleme:

  • Informationen stimmen nicht überein (Website zeigt anderen Preis als Karte)
  • Veraltete Allergene-Angaben (Haftungsrisiko!)
  • Hohe Druckkosten bei häufigen Änderungen
  • Keine spontanen Änderungen möglich (Tagesgericht ausverkauft)

Was Menü-Automatisierung ändert

Mit digitalem System:

  1. Änderung im zentralen System eingeben
  2. → Alle Kanäle werden automatisch aktualisiert:

- Digitale Speisekarte im Restaurant

- Website

- Google Business

- Lieferportale

- Social Media (optional)

Zeitaufwand:

  • Kleine Änderung: 2 Minuten
  • Saisonale Umstellung: 30-60 Minuten
  • Komplette Neugestaltung: 2-4 Stunden

Vorteile:

  • Immer konsistent auf allen Kanälen
  • Allergene automatisch korrekt
  • Keine Druckkosten mehr
  • Spontane Änderungen sofort möglich

Die 5 Bausteine der Menü-Automatisierung

So funktioniert ein automatisiertes Menü-System:

1. Zentrale Menü-Datenbank

Das Fundament:

Eine zentrale Stelle, an der alle Gerichte mit allen Informationen gespeichert sind:

  • Gericht-Name
  • Beschreibung
  • Zutaten
  • Allergene (automatisch aus Zutaten)
  • Nährwerte (optional)
  • Preis
  • Kategorie
  • Verfügbarkeit
  • Bilder

Wichtig: EINE Quelle der Wahrheit. Alle Änderungen hier, alle Ausgabekanäle ziehen von hier.

Tools:

  • Spezialisierte Software (MenuDrive, Lightspeed)
  • Allgemeine Datenbanken (Notion, Airtable)
  • Restaurant-Kassensysteme mit Menü-Modul

2. Digitale Speisekarte im Restaurant

Optionen:

QR-Code zur Online-Speisekarte:

  • Gast scannt QR-Code am Tisch
  • Sieht aktuelle Speisekarte auf eigenem Handy
  • Kosten: Minimal (nur QR-Codes drucken)
  • Nachteil: Nicht alle Gäste mögen es

Tablet-Speisekarte:

  • Tablet am Tisch oder beim Service
  • Interaktiv mit Bildern und Filtern
  • Kosten: 200-500€ pro Tablet
  • Vorteil: Professioneller Look, Upselling möglich

Digital Signage (Bildschirme):

  • Große Bildschirme an der Wand
  • Gut für Schnellrestaurants, Cafés
  • Kosten: 300-800€ pro Bildschirm
  • Vorteil: Auffällig, animierte Inhalte möglich

Hybride Lösung (empfohlen):

  • QR-Code für Gäste, die digital wollen
  • Gedruckte Karte für die, die Papier bevorzugen
  • Aber: Gedruckte Karte seltener aktualisieren

3. Website-Integration

Automatische Synchronisation:

Ihre Website zeigt immer die aktuelle Speisekarte, ohne manuelles Update.

Optionen:

Embed/Widget:

  • Speisekarte wird als Widget eingebettet
  • Änderungen automatisch sichtbar
  • Einfachste Lösung

API-Integration:

  • Daten werden per API gezogen
  • Mehr Gestaltungsfreiheit
  • Erfordert Entwickler-Kenntnisse

WordPress-Plugin:

  • Für WordPress-Seiten
  • Verbindet mit Menü-Datenbank
  • z.B. WPCafe, RestroPress

Wichtig: SEO nicht vergessen! Speisekarte sollte als Text (nicht nur Bild) vorhanden sein.

4. Google Business & Social Media

Google Business Speisekarte:

  • Zeigt Ihr Menü direkt bei Google
  • Wichtig für "Restaurant in der Nähe" Suchen
  • Kann automatisch aus Ihrer Datenbank befüllt werden

Instagram/Facebook:

  • Tagesgericht automatisch als Story/Post
  • Mit Tools wie Buffer, Later oder Meta Business Suite
  • Template erstellen, Gericht einfügen, posten

Automatisierung mit Zapier/Make:

  • Neues Tagesgericht in Datenbank
  • → Automatisch Post auf Instagram/Facebook
  • → Automatisch Update auf Google
  • → Automatisch SMS an Stammgäste

5. Lieferportal-Integration

Das Problem:

  • Lieferando, Wolt, Uber Eats haben eigene Menü-Systeme
  • Änderungen müssen auf jedem Portal einzeln gemacht werden
  • Bei 3 Portalen: 3× Aufwand

Die Lösung:

Aggregatoren, die alle Portale synchronisieren:

Deliverect:

  • Verbindet alle großen Lieferportale
  • Ein Menü, überall aktuell
  • Kosten: ab ca. 50€/Monat + Provision

Otter:

  • Ähnlich wie Deliverect
  • Gute Kassensystem-Integration

Orderbird/Lightspeed:

  • Kassensysteme mit Lieferportal-Integration
  • Menü aus Kasse → zu Lieferportalen

Automatische Preiskalkulation

Der nächste Level der Menü-Automatisierung:

Wareneinsatz-basierte Preise

Das Prinzip:

  1. Rezeptur im System hinterlegen (500g Rindfleisch, 200g Kartoffeln, ...)
  2. Einkaufspreise pflegen
  3. Wareneinsatz wird automatisch berechnet
  4. System schlägt Verkaufspreis vor (z.B. 3× Wareneinsatz)

Vorteile:

  • Preise immer aktuell bei Einkaufspreis-Änderungen
  • Keine Gerichte mehr unter Wert verkaufen
  • Transparente Kalkulation

Tools:

  • Fillet
  • Apicbase
  • Lightspeed (mit Rezeptur-Modul)
  • Excel/Sheets mit Formeln

Dynamische Preisanpassung

Fortgeschrittene Automatisierung:

  • Lieferantenpreise steigen? → Automatische Warnung
  • System schlägt neuen Preis vor
  • Sie genehmigen → alle Kanäle aktualisiert

Happy Hour automatisch:

  • Von 15-17 Uhr automatisch -20% auf alle Getränke
  • Auf digitaler Speisekarte, Website, Google
  • Um 17:01 wieder Normalpreis

Noch nicht überall verfügbar, aber einige Premium-Systeme bieten es.

Software-Vergleich: Menü-Management-Tools

Die wichtigsten Tools im Überblick:

Einfache Lösungen

Canva + QR-Code (Budget)

  • Speisekarte in Canva designen
  • Als Webseite veröffentlichen
  • QR-Code generieren
  • Kostenlos oder sehr günstig
  • Nachteil: Keine echte Automatisierung

Einfache Menü-Apps:

  • ScanMenu
  • MenuMaker
  • Speisekarte.de
  • Kosten: 10-30€/Monat
  • Gut für einfache Bedürfnisse

Professionelle Lösungen

Lightspeed Restaurant (Kassensystem)

  • Komplettes POS + Menü-Management
  • Website-Integration
  • Lieferportal-Anbindung möglich
  • Kosten: 70-200€/Monat
  • Für: Etablierte Restaurants

Orderbird

  • iPad-Kasse mit starkem Menü-Modul
  • Gute Benutzerführung
  • Deutsche Lösung
  • Kosten: 50-100€/Monat
  • Für: Kleine bis mittlere Restaurants

Gastrofix

  • Professionelles Gastro-Kassensystem
  • Umfassendes Menü-Management
  • Kosten: 100-300€/Monat
  • Für: Gehobene Gastronomie

Speziallösungen

Apicbase (Rezeptur & Kalkulation)

  • Fokus auf Rezeptur-Management
  • Automatische Wareneinsatz-Berechnung
  • Nährwerte und Allergene automatisch
  • Kosten: ab 100€/Monat
  • Für: Restaurants mit Fokus auf Kalkulation

Deliverect (Lieferportal-Hub)

  • Verbindet alle Lieferportale
  • Zentrales Menü-Management für Delivery
  • Kosten: ab 50€/Monat + Provision
  • Für: Restaurants mit viel Liefergeschäft

Implementierung: Schritt für Schritt

So führen Sie Menü-Automatisierung ein:

Phase 1: Grundlagen (Woche 1-2)

Schritt 1: Bestandsaufnahme

  • Alle Gerichte auflisten
  • Preise, Beschreibungen, Allergene sammeln
  • Fotos machen (wenn nicht vorhanden)

Schritt 2: Zentrale Datenbank anlegen

  • Tool auswählen (Notion, Airtable, oder spezialisierte Software)
  • Alle Gerichte einpflegen
  • Struktur: Name, Kategorie, Preis, Beschreibung, Allergene, Bild

Schritt 3: Digitale Speisekarte erstellen

  • Aus Datenbank generieren
  • QR-Codes für Tische drucken

Phase 2: Integration (Woche 3-4)

Schritt 4: Website verbinden

  • Speisekarte auf Website einbinden
  • Automatische Aktualisierung einrichten
  • SEO prüfen (Text nicht nur Bild)

Schritt 5: Google Business aktualisieren

  • Menü bei Google Business pflegen
  • Regelmäßige Updates planen

Schritt 6: Lieferportale (wenn relevant)

  • Menü auf allen Portalen aktualisieren
  • Oder: Aggregator wie Deliverect einrichten

Phase 3: Optimierung (laufend)

Schritt 7: Automatisierungen einrichten

  • Tagesgericht → automatisch Social Media
  • Preisänderung → automatisch überall
  • Ausverkauft → automatisch als "nicht verfügbar"

Schritt 8: Team schulen

  • Wer darf Menü ändern?
  • Wie funktioniert das System?
  • Was passiert bei Fehlern?

Schritt 9: Analyse nutzen

  • Welche Gerichte werden am meisten angesehen?
  • Welche Gerichte laufen schlecht?
  • Preisoptimierung basierend auf Daten

ROI: Lohnt sich Menü-Automatisierung?

Eine realistische Kalkulation:

Zeitersparnis

| Aufgabe | Ohne System | Mit System |

|---------|-------------|------------|

| Preisänderung (10 Gerichte) | 2h | 10 Min |

| Saisonale Umstellung | 8h | 1h |

| Tagesgericht updaten | 30 Min | 5 Min |

| Allergene-Check | 2h | Automatisch |

| Drucken & Austauschen | 2h | Entfällt |

Monatliche Ersparnis: 8-12 Stunden

Wert (bei 30€/h): 240-360€/Monat

Weitere Vorteile

Druckkosten gespart:

  • Keine gedruckten Speisekarten mehr (oder seltener)
  • Ersparnis: 50-200€/Monat

Weniger Fehler:

  • Keine falschen Preise mehr
  • Keine veralteten Allergene (Haftungsrisiko!)
  • Weniger Kundenbeschwerden

Umsatzsteigerung möglich:

  • Attraktivere Darstellung der Gerichte
  • Schnellere Reaktion auf Trends
  • Bessere Kommunikation von Angeboten

Gesamt-ROI:

  • Investition: 50-200€/Monat
  • Nutzen: 300-600€/Monat
  • Netto-Vorteil: 150-500€/Monat

Fazit

Menü-Automatisierung ist kein Luxus für große Restaurantketten – auch kleine Restaurants profitieren. Der Schlüssel ist die zentrale Datenhaltung: Ein System, das alle Ausgabekanäle bedient.

Meine Empfehlung:

Für kleine Restaurants:

  • Starten Sie mit einer einfachen Lösung (Notion + QR-Code)
  • Wechseln Sie zu spezialisierter Software, wenn Sie wachsen

Für etablierte Restaurants:

  • Kassensystem mit Menü-Modul (Lightspeed, Orderbird)
  • Integration mit Website und Lieferportalen

Für Delivery-fokussierte Betriebe:

  • Deliverect oder ähnlicher Aggregator
  • Zentrales Menü für alle Plattformen

Ihr nächster Schritt:

  1. Listen Sie alle Stellen auf, an denen Ihr Menü erscheint
  2. Prüfen Sie, ob überall die gleichen Informationen stehen
  3. Entscheiden Sie sich für ein zentrales System
  4. Starten Sie mit der Digitalisierung

In einem Monat haben Sie ein System, das Ihnen bei jeder Menü-Änderung Stunden spart – und Ihre Gäste sehen immer die aktuellsten Informationen.

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