DSGVO - das Schreckgespenst vieler Kleinunternehmer. Dabei müssen Sie kein Jurist sein, um die grundlegenden Anforderungen zu erfüllen.
Mit den richtigen Tools und etwas Grundverständnis können Sie die wichtigsten DSGVO-Anforderungen selbst umsetzen - ohne teuren Anwalt für Standardfälle.
Was Sie lernen:
- Die wichtigsten DSGVO-Pflichten für kleine Unternehmen
- Tools für Datenschutzerklärung, Cookie-Banner & Co.
- Verarbeitungsverzeichnis selbst erstellen
- Wann Sie doch einen Experten brauchen
DSGVO für Kleinunternehmen: Was wirklich relevant ist
Die DSGVO hat viele Anforderungen - aber nicht alle treffen auf jedes Unternehmen zu.
Diese Pflichten gelten für ALLE
1. Datenschutzerklärung auf der Website
- Muss sein, sobald Sie eine Website haben
- Beschreibt, welche Daten Sie sammeln und warum
2. Rechtsgrundlage für jede Datenverarbeitung
- Einwilligung, Vertrag, berechtigtes Interesse
- Keine Daten "einfach so" sammeln
3. Auskunftsrecht
- Auf Anfrage mitteilen, welche Daten Sie über jemanden haben
- Innerhalb eines Monats antworten
4. Löschpflicht
- Daten löschen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden
- Auf Anfrage des Betroffenen (mit Ausnahmen)
5. Auftragsverarbeitung
- Verträge mit Dienstleistern, die Daten für Sie verarbeiten
- Newsletter-Tool, Cloud-Speicher, etc.
Diese Pflichten je nach Situation
Verarbeitungsverzeichnis:
- Offiziell: Ab 250 Mitarbeiter oder regelmäßige Verarbeitung
- Praktisch: Für jedes Unternehmen sinnvoll und empfohlen
Datenschutzbeauftragter:
- Ab 20 Mitarbeitern, die regelmäßig mit Daten arbeiten
- Oder bei besonders sensiblen Daten (Gesundheit, etc.)
- Für Solo-Selbstständige meist nicht nötig
Datenschutz-Folgenabschätzung:
- Bei hohem Risiko für Betroffene
- Für die meisten Kleinunternehmen nicht relevant
Cookie-Banner:
- Nur wenn Sie nicht-essentielle Cookies setzen
- Analytics, Marketing, etc.
Tool 1: Datenschutzerklärung erstellen
Das Herzstück Ihres Online-Datenschutzes:
Was muss rein?
Pflichtinhalte:
- Verantwortlicher: Name, Adresse, Kontakt
- Erhobene Daten: Was sammeln Sie?
- Zweck: Warum sammeln Sie es?
- Rechtsgrundlage: Auf welcher Basis?
- Speicherdauer: Wie lange?
- Empfänger: Wer bekommt die Daten?
- Betroffenenrechte: Auskunft, Löschung, etc.
- Beschwerderecht: Aufsichtsbehörde
Je nach Website zusätzlich:
- Kontaktformular
- Newsletter
- Webanalyse (Google Analytics, etc.)
- Social Media Plugins
- Cookies
- Hosting-Anbieter
Empfohlene Tools
eRecht24 Premium (ab 15€/Monat)
- Umfangreicher Generator
- Rechtssicher und aktuell
- Automatische Updates bei Gesetzesänderungen
- Inkl. Impressum, Cookie-Hinweis
- Empfehlung für die meisten
Datenschutz-Generator.de (kostenlos)
- Von Dr. Schwenke, renommierter Anwalt
- Kostenlose Basisversion
- Für einfache Websites ausreichend
- Premium-Version mit mehr Optionen
activeMind.legal (ab 49€ einmalig)
- Einmalkauf statt Abo
- Deutscher Anbieter
- Gute Generator-Qualität
Cookiebot (ab 12€/Monat)
- Datenschutzerklärung + Cookie-Banner
- Automatisches Scanning der Website
- Hält Erklärung aktuell
Empfehlung:
Starten Sie mit dem kostenlosen Datenschutz-Generator.de. Upgrade auf eRecht24, wenn Sie mehr Funktionen brauchen.
Schritt-für-Schritt
1. Bestandsaufnahme:
- Welche Daten sammeln Sie auf der Website?
- Kontaktformular, Newsletter, Analytics?
- Welche Drittanbieter nutzen Sie?
2. Generator durcharbeiten:
- Alle Fragen ehrlich beantworten
- Lieber eine Option zu viel anklicken
3. Generierte Erklärung prüfen:
- Macht sie Sinn für Ihre Website?
- Alle genutzten Dienste erwähnt?
4. Auf Website einbinden:
- Eigene Unterseite /datenschutz
- Von jeder Seite erreichbar (Footer)
- Nicht im Cookie-Banner verstecken
5. Regelmäßig aktualisieren:
- Bei neuen Tools/Diensten
- Bei Gesetzesänderungen (Tool-Update)
Tool 2: Cookie-Banner einrichten
Wenn Sie Cookies setzen - und das tun fast alle:
Wann brauchen Sie einen Banner?
Cookie-Banner nötig wenn:
- Google Analytics oder andere Tracking-Tools
- Marketing-Cookies (Facebook Pixel, etc.)
- Eingebettete Videos (YouTube)
- Social Media Plugins
Kein Banner nötig wenn:
- Nur technisch notwendige Cookies
- Session-Cookies für Warenkorb
- Rein statische Website ohne Tracking
Die Realität: Fast jede Website braucht einen Banner.
Anforderungen an den Banner
Was der Banner können muss:
- Echte Wahl: Annehmen UND Ablehnen gleich einfach
- Granulare Einwilligung: Nach Kategorien (Marketing, Statistik, etc.)
- Vorher blockieren: Cookies erst NACH Einwilligung setzen
- Widerruf möglich: Einstellungen ändern können
- Dokumentation: Nachweisen, wer wann zugestimmt hat
Was NICHT geht:
- "Durch Weitersurfen stimmen Sie zu"
- Nur "Akzeptieren" Button
- Vorangekreuzte Checkboxen
- Ablehnen verstecken
Empfohlene Tools
Cookiebot (ab 12€/Monat)
+ Automatisches Cookie-Scanning
+ Dokumentation für Nachweise
+ Bekannt und etabliert
- Monatliche Kosten
Borlabs Cookie (99€ einmalig, WordPress)
+ Einmalkauf
+ Sehr gut für WordPress
+ Deutscher Entwickler
- Nur für WordPress
Usercentrics (ab 50€/Monat)
+ Sehr professionell
+ Für größere Websites
- Teuer für Kleinunternehmen
Klaro (kostenlos, Open Source)
+ Kostenlos
+ Für Technik-Affine
- Selbst einrichten und hosten
Empfehlung:
- WordPress: Borlabs Cookie
- Andere: Cookiebot oder Klaro
Einrichtung mit Cookiebot
1. Account erstellen:
- cookiebot.com → Sign up
- Website-URL eingeben
2. Scanner laufen lassen:
- Cookiebot scannt Ihre Website
- Findet alle Cookies und Tracker
- Kategorisiert automatisch
3. Banner anpassen:
- Design an Website anpassen
- Texte auf Deutsch prüfen
- Kategorien konfigurieren
4. Code einbinden:
- Script in <head> Ihrer Website
- Google Tag Manager Alternative
5. Blockierung einrichten:
- Cookies erst nach Einwilligung
- Bei Google Analytics: Über Cookiebot steuern
6. Testen:
- Browser-Cookies löschen
- Website aufrufen
- Prüfen: Werden Cookies vor Einwilligung gesetzt?
Tool 3: Verarbeitungsverzeichnis führen
Die Dokumentation Ihrer Datenverarbeitung:
Was ist das?
Ein Verzeichnis aller Prozesse, bei denen Sie personenbezogene Daten verarbeiten.
Beispiel-Einträge:
- Kundenstammdaten in CRM speichern
- Newsletter versenden
- Bewerbungen verarbeiten
- Mitarbeiterdaten führen
Warum wichtig?
- Bei Anfrage der Aufsichtsbehörde vorlegen
- Hilft, den Überblick zu behalten
- Grundlage für Datenschutzerklärung
Was muss dokumentiert werden?
Pro Verarbeitungstätigkeit:
- Bezeichnung: z.B. "Newsletter-Versand"
- Verantwortlicher: Name, Kontakt
- Zweck: Warum werden Daten verarbeitet?
- Betroffene: Wessen Daten? (Kunden, Mitarbeiter, etc.)
- Datenkategorien: Welche Daten? (Name, E-Mail, etc.)
- Empfänger: Wer erhält die Daten? (Newsletter-Tool, etc.)
- Drittlandübermittlung: Gehen Daten außerhalb der EU?
- Löschfristen: Wann werden Daten gelöscht?
- Technische Maßnahmen: Wie sind Daten geschützt?
Tools und Vorlagen
Kostenlose Vorlagen:
- Bitkom: Excel-Vorlage (google: "Bitkom Verarbeitungsverzeichnis")
- Datenschutz-Guru: Word-Vorlage
- IHK: Muster für Mitglieder
Software-Lösungen:
- Proliance 360 (ab 29€/Monat): Für kleine Unternehmen
- DataGuard (auf Anfrage): Umfassende Lösung
- Airtable/Notion: Selbst gebaut, kostenlos
Empfehlung für Kleinunternehmen:
Excel-Vorlage von Bitkom reicht völlig aus.
Praktisches Beispiel
Verarbeitungstätigkeit: Kundenverwaltung
| Feld | Eintrag |
|------|---------|
| Bezeichnung | Kundenverwaltung / CRM |
| Verantwortlicher | Musterfirma GmbH, Max Muster |
| Zweck | Kundenbeziehungspflege, Auftragsabwicklung |
| Rechtsgrundlage | Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO) |
| Betroffene | Kunden, Interessenten |
| Datenkategorien | Name, Adresse, E-Mail, Telefon, Kaufhistorie |
| Empfänger | Lexoffice (Buchhaltung), Mailchimp (Newsletter) |
| Drittland? | USA (Mailchimp) - Standardvertragsklauseln |
| Löschfrist | 10 Jahre nach Ende der Geschäftsbeziehung (steuerliche Aufbewahrung) |
| Technische Maßnahmen | Passwortschutz, Verschlüsselung, Backup |
Tool 4: Auftragsverarbeitung regeln
Verträge mit Ihren Dienstleistern:
Wann brauchen Sie einen AV-Vertrag?
Immer wenn ein Dienstleister Ihre Daten verarbeitet:
- Newsletter-Tool (Mailchimp, CleverReach, etc.)
- CRM-System (HubSpot, Pipedrive, etc.)
- Buchhaltungssoftware (Lexoffice, sevDesk, etc.)
- Cloud-Speicher (Dropbox, Google Drive, etc.)
- Webhosting (wenn Kundendaten auf Server)
- IT-Support mit Datenzugriff
Nicht nötig bei:
- Steuerberater (eigene Verantwortung)
- Anwälte (eigene Verantwortung)
- Reine Software-Lizenzen ohne Datenspeicherung
Wo finden Sie AV-Verträge?
Die gute Nachricht: Die meisten seriösen Anbieter haben bereits AV-Verträge.
Wo Sie sie finden:
- Im Account-Bereich unter "Datenschutz" oder "Legal"
- Als Zusatz zu den AGB
- Auf Anfrage beim Support
Beispiele:
- Mailchimp: Standard Contractual Clauses in den Einstellungen
- Google: In der Admin-Konsole akzeptieren
- Lexoffice: Automatisch bei Registrierung
- HubSpot: Data Processing Agreement im Legal-Center
Was tun?
- Bei jedem genutzten Dienst prüfen
- AV-Vertrag online akzeptieren oder anfordern
- Für Ihre Unterlagen dokumentieren (Screenshot, PDF)
Wenn kein AV-Vertrag vorhanden
Bei kleineren Anbietern ohne fertigen Vertrag:
Option 1: Vorlage zusenden
- Muster-AV-Vertrag von IHK, Bitkom, etc.
- Anbieter um Unterschrift bitten
Option 2: Anbieter wechseln
- Wenn kein AV-Vertrag → Anbieter nicht DSGVO-ready
- Alternative suchen, die Datenschutz ernst nimmt
Wichtig: Ohne AV-Vertrag sind SIE verantwortlich, wenn etwas schiefgeht.
Checkliste: DSGVO für Ihre Website
Zum Abhaken:
Grundlagen:
- [ ] Impressum vorhanden und korrekt
- [ ] Datenschutzerklärung vorhanden
- [ ] Von jeder Seite erreichbar (Footer)
Datenschutzerklärung:
- [ ] Mit Generator erstellt oder geprüft
- [ ] Alle genutzten Dienste aufgelistet
- [ ] Kontaktdaten des Verantwortlichen
- [ ] Hinweis auf Betroffenenrechte
Cookies:
- [ ] Cookie-Banner eingerichtet (wenn nötig)
- [ ] Echte Wahlmöglichkeit (Annehmen/Ablehnen)
- [ ] Cookies werden erst nach Einwilligung gesetzt
- [ ] Einwilligung dokumentiert
Formulare:
- [ ] Datenschutzhinweis bei jedem Formular
- [ ] Checkbox für Einwilligung (wenn nötig)
- [ ] SSL-Verschlüsselung aktiv (https)
Dienste:
- [ ] AV-Verträge mit allen Dienstleistern
- [ ] Dokumentiert, wer welche Daten verarbeitet
Wann Sie doch einen Experten brauchen
Diese Fälle sind mit Tools allein nicht abgedeckt:
Individueller Anwalt empfohlen bei:
- Besonders sensible Daten (Gesundheit, Religion, etc.)
- Komplexen Geschäftsmodellen
- Internationaler Tätigkeit (außerhalb EU)
- Nach einer Datenpanne
- Bei Abmahnung oder Behördenanfrage
Datenschutzbeauftragter nötig bei:
- Ab 20 Mitarbeitern mit Datenverarbeitung
- Kerntätigkeit ist Datenverarbeitung
- Besondere Datenkategorien
Externe Prüfung sinnvoll:
- Alle 1-2 Jahre kurzer Check durch Experten
- Gibt Sicherheit und deckt blinde Flecken auf
Kosten:
- Einmalige Prüfung: 500-1.500€
- Laufende Betreuung: 100-300€/Monat
- Externer DSB: ab 200€/Monat
Häufige Fehler vermeiden
Diese Fehler machen viele Kleinunternehmer:
Fehler 1: Copy-Paste Datenschutzerklärung
- Von anderer Website kopiert
- Passt nicht zu Ihren Diensten
- Lösung: Generator nutzen, individuell ausfüllen
Fehler 2: Cookie-Banner ohne Funktion
- Banner da, aber Cookies werden trotzdem gesetzt
- Lösung: Technisch korrekt implementieren, testen!
Fehler 3: WhatsApp ohne Einwilligung
- Kunden proaktiv auf WhatsApp anschreiben
- Datenschutzproblem (Kontakte werden hochgeladen)
- Lösung: WhatsApp Business API oder Einwilligung
Fehler 4: Keine AV-Verträge
- Newsletter-Tool ohne Vertrag
- Im Schadensfall haften Sie
- Lösung: Bei jedem Dienst AV-Vertrag prüfen
Fehler 5: Niemals aktualisieren
- Datenschutzerklärung von 2018
- Inzwischen neue Tools, neue Gesetze
- Lösung: Mindestens jährlich prüfen
Kosten und ROI
Was kostet DSGVO-Compliance für Kleinunternehmen?
DIY mit Tools:
| Tool | Kosten |
|------|--------|
| Datenschutz-Generator | 0€ (oder 15€/Monat Premium) |
| Cookie-Banner | 0-12€/Monat |
| Verarbeitungsverzeichnis | 0€ (Excel-Vorlage) |
| AV-Verträge | 0€ (von Anbietern) |
| Gesamt | 0-30€/Monat |
Mit Experten-Support:
| Leistung | Kosten |
|----------|--------|
| Einmalige Prüfung | 500-1.500€ |
| Tools | 0-30€/Monat |
| Gesamt Jahr 1 | 500-1.800€ |
Der ROI-Gedanke:
- Bußgelder können bis 20 Mio. € oder 4% des Umsatzes betragen
- Abmahnungen: 500-5.000€ plus Anwaltskosten
- Image-Schaden bei Datenpanne: unbezahlbar
30€/Monat für Compliance ist gut investiertes Geld.
Fazit
DSGVO-Compliance ist für Kleinunternehmen machbar - mit den richtigen Tools und etwas Grundverständnis.
Die wichtigsten Punkte:
- Datenschutzerklärung mit Generator erstellen (nicht kopieren!)
- Cookie-Banner korrekt einrichten (echte Wahl, technisch funktionierend)
- Verarbeitungsverzeichnis führen (Excel-Vorlage reicht)
- AV-Verträge mit allen Dienstleistern (meist online verfügbar)
- Regelmäßig aktualisieren (mindestens jährlich)
Empfohlene Tools:
- Datenschutzerklärung: eRecht24 oder Datenschutz-Generator.de
- Cookie-Banner: Borlabs (WordPress) oder Cookiebot
- Verarbeitungsverzeichnis: Bitkom Excel-Vorlage
Typischer Aufwand:
- Ersteinrichtung: 4-8 Stunden
- Laufend: 1-2 Stunden pro Monat
- Jährliche Prüfung: 2-3 Stunden
DSGVO ist kein Hexenwerk. Die meiste Arbeit ist einmalig - danach nur noch Pflege.