ROI & Methodik

DSGVO-Tools für Kleinunternehmen: Datenschutz ohne Anwalt

DSGVO praktisch umsetzen: Datenschutzerklärung erstellen, Cookie-Banner einrichten, Verarbeitungsverzeichnis führen. Tools und Vorlagen für kleine Unternehmen.

14 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 22.1.2026

DSGVO - das Schreckgespenst vieler Kleinunternehmer. Dabei müssen Sie kein Jurist sein, um die grundlegenden Anforderungen zu erfüllen.

Mit den richtigen Tools und etwas Grundverständnis können Sie die wichtigsten DSGVO-Anforderungen selbst umsetzen - ohne teuren Anwalt für Standardfälle.

Was Sie lernen:

  • Die wichtigsten DSGVO-Pflichten für kleine Unternehmen
  • Tools für Datenschutzerklärung, Cookie-Banner & Co.
  • Verarbeitungsverzeichnis selbst erstellen
  • Wann Sie doch einen Experten brauchen

DSGVO für Kleinunternehmen: Was wirklich relevant ist

Die DSGVO hat viele Anforderungen - aber nicht alle treffen auf jedes Unternehmen zu.

Diese Pflichten gelten für ALLE

1. Datenschutzerklärung auf der Website

  • Muss sein, sobald Sie eine Website haben
  • Beschreibt, welche Daten Sie sammeln und warum

2. Rechtsgrundlage für jede Datenverarbeitung

  • Einwilligung, Vertrag, berechtigtes Interesse
  • Keine Daten "einfach so" sammeln

3. Auskunftsrecht

  • Auf Anfrage mitteilen, welche Daten Sie über jemanden haben
  • Innerhalb eines Monats antworten

4. Löschpflicht

  • Daten löschen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden
  • Auf Anfrage des Betroffenen (mit Ausnahmen)

5. Auftragsverarbeitung

  • Verträge mit Dienstleistern, die Daten für Sie verarbeiten
  • Newsletter-Tool, Cloud-Speicher, etc.

Diese Pflichten je nach Situation

Verarbeitungsverzeichnis:

  • Offiziell: Ab 250 Mitarbeiter oder regelmäßige Verarbeitung
  • Praktisch: Für jedes Unternehmen sinnvoll und empfohlen

Datenschutzbeauftragter:

  • Ab 20 Mitarbeitern, die regelmäßig mit Daten arbeiten
  • Oder bei besonders sensiblen Daten (Gesundheit, etc.)
  • Für Solo-Selbstständige meist nicht nötig

Datenschutz-Folgenabschätzung:

  • Bei hohem Risiko für Betroffene
  • Für die meisten Kleinunternehmen nicht relevant

Cookie-Banner:

  • Nur wenn Sie nicht-essentielle Cookies setzen
  • Analytics, Marketing, etc.

Tool 1: Datenschutzerklärung erstellen

Das Herzstück Ihres Online-Datenschutzes:

Was muss rein?

Pflichtinhalte:

  1. Verantwortlicher: Name, Adresse, Kontakt
  2. Erhobene Daten: Was sammeln Sie?
  3. Zweck: Warum sammeln Sie es?
  4. Rechtsgrundlage: Auf welcher Basis?
  5. Speicherdauer: Wie lange?
  6. Empfänger: Wer bekommt die Daten?
  7. Betroffenenrechte: Auskunft, Löschung, etc.
  8. Beschwerderecht: Aufsichtsbehörde

Je nach Website zusätzlich:

  • Kontaktformular
  • Newsletter
  • Webanalyse (Google Analytics, etc.)
  • Social Media Plugins
  • Cookies
  • Hosting-Anbieter

Empfohlene Tools

eRecht24 Premium (ab 15€/Monat)

  • Umfangreicher Generator
  • Rechtssicher und aktuell
  • Automatische Updates bei Gesetzesänderungen
  • Inkl. Impressum, Cookie-Hinweis
  • Empfehlung für die meisten

Datenschutz-Generator.de (kostenlos)

  • Von Dr. Schwenke, renommierter Anwalt
  • Kostenlose Basisversion
  • Für einfache Websites ausreichend
  • Premium-Version mit mehr Optionen

activeMind.legal (ab 49€ einmalig)

  • Einmalkauf statt Abo
  • Deutscher Anbieter
  • Gute Generator-Qualität

Cookiebot (ab 12€/Monat)

  • Datenschutzerklärung + Cookie-Banner
  • Automatisches Scanning der Website
  • Hält Erklärung aktuell

Empfehlung:

Starten Sie mit dem kostenlosen Datenschutz-Generator.de. Upgrade auf eRecht24, wenn Sie mehr Funktionen brauchen.

Schritt-für-Schritt

1. Bestandsaufnahme:

  • Welche Daten sammeln Sie auf der Website?
  • Kontaktformular, Newsletter, Analytics?
  • Welche Drittanbieter nutzen Sie?

2. Generator durcharbeiten:

  • Alle Fragen ehrlich beantworten
  • Lieber eine Option zu viel anklicken

3. Generierte Erklärung prüfen:

  • Macht sie Sinn für Ihre Website?
  • Alle genutzten Dienste erwähnt?

4. Auf Website einbinden:

  • Eigene Unterseite /datenschutz
  • Von jeder Seite erreichbar (Footer)
  • Nicht im Cookie-Banner verstecken

5. Regelmäßig aktualisieren:

  • Bei neuen Tools/Diensten
  • Bei Gesetzesänderungen (Tool-Update)

Tool 3: Verarbeitungsverzeichnis führen

Die Dokumentation Ihrer Datenverarbeitung:

Was ist das?

Ein Verzeichnis aller Prozesse, bei denen Sie personenbezogene Daten verarbeiten.

Beispiel-Einträge:

  • Kundenstammdaten in CRM speichern
  • Newsletter versenden
  • Bewerbungen verarbeiten
  • Mitarbeiterdaten führen

Warum wichtig?

  • Bei Anfrage der Aufsichtsbehörde vorlegen
  • Hilft, den Überblick zu behalten
  • Grundlage für Datenschutzerklärung

Was muss dokumentiert werden?

Pro Verarbeitungstätigkeit:

  1. Bezeichnung: z.B. "Newsletter-Versand"
  2. Verantwortlicher: Name, Kontakt
  3. Zweck: Warum werden Daten verarbeitet?
  4. Betroffene: Wessen Daten? (Kunden, Mitarbeiter, etc.)
  5. Datenkategorien: Welche Daten? (Name, E-Mail, etc.)
  6. Empfänger: Wer erhält die Daten? (Newsletter-Tool, etc.)
  7. Drittlandübermittlung: Gehen Daten außerhalb der EU?
  8. Löschfristen: Wann werden Daten gelöscht?
  9. Technische Maßnahmen: Wie sind Daten geschützt?

Tools und Vorlagen

Kostenlose Vorlagen:

  • Bitkom: Excel-Vorlage (google: "Bitkom Verarbeitungsverzeichnis")
  • Datenschutz-Guru: Word-Vorlage
  • IHK: Muster für Mitglieder

Software-Lösungen:

  • Proliance 360 (ab 29€/Monat): Für kleine Unternehmen
  • DataGuard (auf Anfrage): Umfassende Lösung
  • Airtable/Notion: Selbst gebaut, kostenlos

Empfehlung für Kleinunternehmen:

Excel-Vorlage von Bitkom reicht völlig aus.

Praktisches Beispiel

Verarbeitungstätigkeit: Kundenverwaltung

| Feld | Eintrag |

|------|---------|

| Bezeichnung | Kundenverwaltung / CRM |

| Verantwortlicher | Musterfirma GmbH, Max Muster |

| Zweck | Kundenbeziehungspflege, Auftragsabwicklung |

| Rechtsgrundlage | Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO) |

| Betroffene | Kunden, Interessenten |

| Datenkategorien | Name, Adresse, E-Mail, Telefon, Kaufhistorie |

| Empfänger | Lexoffice (Buchhaltung), Mailchimp (Newsletter) |

| Drittland? | USA (Mailchimp) - Standardvertragsklauseln |

| Löschfrist | 10 Jahre nach Ende der Geschäftsbeziehung (steuerliche Aufbewahrung) |

| Technische Maßnahmen | Passwortschutz, Verschlüsselung, Backup |

Tool 4: Auftragsverarbeitung regeln

Verträge mit Ihren Dienstleistern:

Wann brauchen Sie einen AV-Vertrag?

Immer wenn ein Dienstleister Ihre Daten verarbeitet:

  • Newsletter-Tool (Mailchimp, CleverReach, etc.)
  • CRM-System (HubSpot, Pipedrive, etc.)
  • Buchhaltungssoftware (Lexoffice, sevDesk, etc.)
  • Cloud-Speicher (Dropbox, Google Drive, etc.)
  • Webhosting (wenn Kundendaten auf Server)
  • IT-Support mit Datenzugriff

Nicht nötig bei:

  • Steuerberater (eigene Verantwortung)
  • Anwälte (eigene Verantwortung)
  • Reine Software-Lizenzen ohne Datenspeicherung

Wo finden Sie AV-Verträge?

Die gute Nachricht: Die meisten seriösen Anbieter haben bereits AV-Verträge.

Wo Sie sie finden:

  • Im Account-Bereich unter "Datenschutz" oder "Legal"
  • Als Zusatz zu den AGB
  • Auf Anfrage beim Support

Beispiele:

  • Mailchimp: Standard Contractual Clauses in den Einstellungen
  • Google: In der Admin-Konsole akzeptieren
  • Lexoffice: Automatisch bei Registrierung
  • HubSpot: Data Processing Agreement im Legal-Center

Was tun?

  1. Bei jedem genutzten Dienst prüfen
  2. AV-Vertrag online akzeptieren oder anfordern
  3. Für Ihre Unterlagen dokumentieren (Screenshot, PDF)

Wenn kein AV-Vertrag vorhanden

Bei kleineren Anbietern ohne fertigen Vertrag:

Option 1: Vorlage zusenden

  • Muster-AV-Vertrag von IHK, Bitkom, etc.
  • Anbieter um Unterschrift bitten

Option 2: Anbieter wechseln

  • Wenn kein AV-Vertrag → Anbieter nicht DSGVO-ready
  • Alternative suchen, die Datenschutz ernst nimmt

Wichtig: Ohne AV-Vertrag sind SIE verantwortlich, wenn etwas schiefgeht.

Checkliste: DSGVO für Ihre Website

Zum Abhaken:

Grundlagen:

  • [ ] Impressum vorhanden und korrekt
  • [ ] Datenschutzerklärung vorhanden
  • [ ] Von jeder Seite erreichbar (Footer)

Datenschutzerklärung:

  • [ ] Mit Generator erstellt oder geprüft
  • [ ] Alle genutzten Dienste aufgelistet
  • [ ] Kontaktdaten des Verantwortlichen
  • [ ] Hinweis auf Betroffenenrechte

Cookies:

  • [ ] Cookie-Banner eingerichtet (wenn nötig)
  • [ ] Echte Wahlmöglichkeit (Annehmen/Ablehnen)
  • [ ] Cookies werden erst nach Einwilligung gesetzt
  • [ ] Einwilligung dokumentiert

Formulare:

  • [ ] Datenschutzhinweis bei jedem Formular
  • [ ] Checkbox für Einwilligung (wenn nötig)
  • [ ] SSL-Verschlüsselung aktiv (https)

Dienste:

  • [ ] AV-Verträge mit allen Dienstleistern
  • [ ] Dokumentiert, wer welche Daten verarbeitet

Wann Sie doch einen Experten brauchen

Diese Fälle sind mit Tools allein nicht abgedeckt:

Individueller Anwalt empfohlen bei:

  • Besonders sensible Daten (Gesundheit, Religion, etc.)
  • Komplexen Geschäftsmodellen
  • Internationaler Tätigkeit (außerhalb EU)
  • Nach einer Datenpanne
  • Bei Abmahnung oder Behördenanfrage

Datenschutzbeauftragter nötig bei:

  • Ab 20 Mitarbeitern mit Datenverarbeitung
  • Kerntätigkeit ist Datenverarbeitung
  • Besondere Datenkategorien

Externe Prüfung sinnvoll:

  • Alle 1-2 Jahre kurzer Check durch Experten
  • Gibt Sicherheit und deckt blinde Flecken auf

Kosten:

  • Einmalige Prüfung: 500-1.500€
  • Laufende Betreuung: 100-300€/Monat
  • Externer DSB: ab 200€/Monat

Häufige Fehler vermeiden

Diese Fehler machen viele Kleinunternehmer:

Fehler 1: Copy-Paste Datenschutzerklärung

  • Von anderer Website kopiert
  • Passt nicht zu Ihren Diensten
  • Lösung: Generator nutzen, individuell ausfüllen

Fehler 2: Cookie-Banner ohne Funktion

  • Banner da, aber Cookies werden trotzdem gesetzt
  • Lösung: Technisch korrekt implementieren, testen!

Fehler 3: WhatsApp ohne Einwilligung

  • Kunden proaktiv auf WhatsApp anschreiben
  • Datenschutzproblem (Kontakte werden hochgeladen)
  • Lösung: WhatsApp Business API oder Einwilligung

Fehler 4: Keine AV-Verträge

  • Newsletter-Tool ohne Vertrag
  • Im Schadensfall haften Sie
  • Lösung: Bei jedem Dienst AV-Vertrag prüfen

Fehler 5: Niemals aktualisieren

  • Datenschutzerklärung von 2018
  • Inzwischen neue Tools, neue Gesetze
  • Lösung: Mindestens jährlich prüfen

Kosten und ROI

Was kostet DSGVO-Compliance für Kleinunternehmen?

DIY mit Tools:

| Tool | Kosten |

|------|--------|

| Datenschutz-Generator | 0€ (oder 15€/Monat Premium) |

| Cookie-Banner | 0-12€/Monat |

| Verarbeitungsverzeichnis | 0€ (Excel-Vorlage) |

| AV-Verträge | 0€ (von Anbietern) |

| Gesamt | 0-30€/Monat |

Mit Experten-Support:

| Leistung | Kosten |

|----------|--------|

| Einmalige Prüfung | 500-1.500€ |

| Tools | 0-30€/Monat |

| Gesamt Jahr 1 | 500-1.800€ |

Der ROI-Gedanke:

  • Bußgelder können bis 20 Mio. € oder 4% des Umsatzes betragen
  • Abmahnungen: 500-5.000€ plus Anwaltskosten
  • Image-Schaden bei Datenpanne: unbezahlbar

30€/Monat für Compliance ist gut investiertes Geld.

Fazit

DSGVO-Compliance ist für Kleinunternehmen machbar - mit den richtigen Tools und etwas Grundverständnis.

Die wichtigsten Punkte:

  1. Datenschutzerklärung mit Generator erstellen (nicht kopieren!)
  2. Cookie-Banner korrekt einrichten (echte Wahl, technisch funktionierend)
  3. Verarbeitungsverzeichnis führen (Excel-Vorlage reicht)
  4. AV-Verträge mit allen Dienstleistern (meist online verfügbar)
  5. Regelmäßig aktualisieren (mindestens jährlich)

Empfohlene Tools:

  • Datenschutzerklärung: eRecht24 oder Datenschutz-Generator.de
  • Cookie-Banner: Borlabs (WordPress) oder Cookiebot
  • Verarbeitungsverzeichnis: Bitkom Excel-Vorlage

Typischer Aufwand:

  • Ersteinrichtung: 4-8 Stunden
  • Laufend: 1-2 Stunden pro Monat
  • Jährliche Prüfung: 2-3 Stunden

DSGVO ist kein Hexenwerk. Die meiste Arbeit ist einmalig - danach nur noch Pflege.

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