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Papierloses Büro 2026: So gelingt die Umstellung

Papierloses Büro einrichten: Schritt-für-Schritt Anleitung, beste Software, rechtliche Anforderungen. Von der Strategie bis zur Umsetzung.

14 Min. Lesezeit·Aktualisiert: 21.1.2026

Papierstapel auf dem Schreibtisch, Ordner im Keller, Rechnungen die nicht auffindbar sind – das papierbasierte Büro kostet Zeit, Nerven und Geld. Die Lösung: Das papierlose Büro.

In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Schritt für Schritt auf papierloses Arbeiten umstellen. Mit konkreten Tool-Empfehlungen, rechtlichen Hinweisen und Praxistipps aus erfolgreichen Umstellungsprojekten.

Warum papierloses Büro?

Die Vorteile der papierlosen Arbeit sind messbar:

Zeitersparnis:

  • Dokument suchen: 18 Sekunden digital vs. 10 Minuten in Papier-Akten
  • Ablage: 5 Sekunden digital vs. 2 Minuten physisch
  • Bei 50 Dokumenten/Tag: 5+ Stunden/Woche gespart

Kostenersparnis:

  • Papier, Drucker, Toner: 100-300€/Mitarbeiter/Jahr
  • Lagerraum für Akten: 15-30€/m²/Monat
  • Suchzeit: unbezahlbar

Weitere Vorteile:

  • Ortsunabhängiger Zugriff (Homeoffice!)
  • Keine verlorenen Dokumente
  • Einfache Backups
  • Bessere Zusammenarbeit
  • Nachhaltig und umweltfreundlich

Die 5 Säulen des papierlosen Büros

Ein papierloses Büro braucht mehr als einen Scanner. Diese 5 Elemente müssen zusammenspielen:

1. Dokumenteneingang digitalisieren

Post-Eingang:

  • Briefpost scannen (eigener Scanner oder Scan-Service)
  • E-Mails automatisch archivieren
  • Faxe digital empfangen (eFax-Dienste)

Rechnungen:

  • Lieferanten auf E-Rechnung umstellen
  • PDF-Rechnungen automatisch verarbeiten
  • Papierrechnungen scannen und OCR

Verträge:

  • Digitale Unterschrift nutzen (DocuSign, Adobe Sign)
  • Bestehende Verträge scannen

2. Dokumentenmanagement-System (DMS)

Das DMS ist das Herzstück: Hier werden alle Dokumente gespeichert, kategorisiert und wiedergefunden.

Anforderungen:

  • Volltextsuche (OCR)
  • Ordnerstruktur oder Tags
  • Versionierung
  • Zugriffsrechte
  • Revisionssichere Archivierung (GoBD)

Empfohlene Systeme:

  • Für KMU: DocuWare, ELO, ecoDMS
  • Cloud-basiert: Google Drive, Microsoft SharePoint, Dropbox Business
  • Open Source: Paperless-ngx, Mayan EDMS

3. Workflows digitalisieren

Dokumente müssen nicht nur abgelegt, sondern bearbeitet werden:

Rechnungsfreigabe:

Rechnung kommt → automatisch zum Prüfer → Freigabe → zur Buchhaltung → Archivierung

Vertragsmanagement:

Vertrag erstellt → zur Prüfung → zur Unterschrift → zum Kunden → zurück → Archivierung

Tools für Workflows:

  • In DMS integriert (DocuWare, ELO)
  • Separate Tools (Asana, Monday, Notion)
  • Low-Code (Power Automate, Make)

4. Hardware

Scanner:

  • Dokumentenscanner mit Einzug: ab 300€ (Fujitsu ScanSnap, Brother ADS)
  • Für hohes Volumen: ab 800€
  • Alternativ: Scan-Service für Altakten

Monitore:

  • Größerer Bildschirm nötig (27" empfohlen)
  • Oder Dual-Monitor-Setup

Tablets (optional):

  • Für Unterschriften
  • Für mobile Dokumentenerfassung

5. Rechtliche Anforderungen

GoBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung):

  • Digitale Belege müssen revisionssicher archiviert werden
  • Änderungen müssen nachvollziehbar sein
  • Verfahrensdokumentation erforderlich

Aufbewahrungsfristen:

  • Buchungsbelege: 10 Jahre
  • Geschäftsbriefe: 6 Jahre
  • Verträge: teilweise länger

Wichtig: Das Original darf vernichtet werden, wenn das digitale Dokument GoBD-konform archiviert ist (mit Ausnahmen wie Notarverträge, Urkunden).

Schritt-für-Schritt: Umstellung auf papierloses Büro

So gehen Sie die Umstellung strukturiert an:

Phase 1: Analyse (Woche 1-2)

Bestandsaufnahme:

  1. Welche Dokumentenarten gibt es? (Rechnungen, Verträge, Korrespondenz...)
  2. Wie viele Dokumente pro Tag/Woche/Monat?
  3. Wer arbeitet mit welchen Dokumenten?
  4. Welche Aufbewahrungsfristen gelten?

Prozesse verstehen:

  1. Wie ist der aktuelle Ablauf? (Eingang → Bearbeitung → Ablage)
  2. Wo sind die Engpässe?
  3. Was muss genehmigt werden?

Output: Dokumentenmatrix mit Typen, Mengen, Prozessen

Phase 2: Tool-Auswahl (Woche 2-3)

DMS auswählen:

  • Cloud oder On-Premise?
  • Budget festlegen (10-50€/Nutzer/Monat)
  • 2-3 Anbieter testen

Hardware beschaffen:

  • Scanner für Dokumenteneingang
  • Ggf. größere Monitore

Verfahrensdokumentation erstellen:

  • Für GoBD-Konformität Pflicht
  • Beschreibt wie Dokumente verarbeitet und archiviert werden

Phase 3: Pilotbereich (Woche 3-5)

Einen Bereich wählen:

  • Empfehlung: Rechnungseingang (klar strukturiert, hohe Frequenz)
  • Oder: Ein Projekt komplett digital abwickeln

Workflow einrichten:

  1. Ordnerstruktur/Tags definieren
  2. Berechtigungen setzen
  3. Workflow für Freigaben einrichten

Team schulen:

  • Scanner-Bedienung
  • DMS-Nutzung
  • Ablageregeln

Parallel: Noch nicht alles umstellen, Papier-Backup behalten

Phase 4: Ausrollen (Woche 5-12)

Weitere Bereiche hinzufügen:

  • Ausgangsrechnungen
  • Verträge
  • Korrespondenz
  • Personalakten

Papiereingang reduzieren:

  • Lieferanten auf E-Rechnung umstellen
  • Digitale Kommunikation forcieren
  • Brief-Scanning-Service nutzen

Altakten digitalisieren:

  • Priorisieren: Aktive Vorgänge zuerst
  • Externe Dienstleister für große Mengen
  • Oder: Nur bei Bedarf scannen ("Scan on Demand")

Phase 5: Optimieren (laufend)

Automatisierung hinzufügen:

  • OCR für automatische Erkennung
  • Automatische Kategorisierung
  • Workflow-Automatisierung

Regelmäßige Reviews:

  • Wird das System genutzt?
  • Wo hakt es noch?
  • Was kann verbessert werden?

Papier final eliminieren:

  • Restliche Papierquellen identifizieren
  • Drucker reduzieren
  • "Print on Demand" statt Standarddruck

Tool-Empfehlungen nach Unternehmensgröße

Die richtige Software für Ihre Situation:

Für Selbstständige & Kleinstunternehmen (1-5 Mitarbeiter)

Einfach & günstig:

  • Google Drive oder Dropbox: Ablage und Suche
  • Scanner-App (Adobe Scan, Microsoft Lens): Dokumente erfassen
  • Notion oder Coda: Für Struktur und Workflows

Budget: 0-50€/Monat

Tipp: Starten Sie mit Google Drive + klarer Ordnerstruktur. Das reicht für den Anfang.

Für kleine Unternehmen (5-20 Mitarbeiter)

Strukturiert & skalierbar:

  • Microsoft 365 + SharePoint: Wenn Microsoft-Umgebung
  • Google Workspace: Kollaboration + Drive
  • Paperless-ngx: Open Source, Self-Hosted
  • ecoDMS: Günstig, GoBD-konform

Budget: 50-200€/Monat

Tipp: Investieren Sie in einen guten Scanner (Fujitsu ScanSnap) – spart täglich Zeit.

Für mittlere Unternehmen (20-100 Mitarbeiter)

Professional DMS:

  • DocuWare: Cloud + On-Premise, starke Workflows
  • ELO: Deutscher Anbieter, umfangreich
  • d.velop: Gute Microsoft-Integration
  • M-Files: Metadaten-basiert, sehr flexibel

Budget: 500-2.000€/Monat

Wichtig: Achten Sie auf Schnittstellen zu Ihrer bestehenden Software (ERP, CRM, Buchhaltung).

Häufige Fehler vermeiden

Diese Fallstricke sehen wir immer wieder:

Fehler 1: Keine klare Struktur

Problem: Dokumente werden irgendwo abgelegt, niemand findet etwas.

Lösung:

  • Einheitliche Benennungskonvention (z.B. "2026-01-21_Rechnung_Lieferant_1234.pdf")
  • Klare Ordnerstruktur oder Tag-System
  • Dokumentiert und geschult

Fehler 2: Parallelwelten

Problem: Manche Dokumente digital, manche auf Papier. Chaos.

Lösung:

  • Klares Umstellungsdatum pro Bereich
  • Alles Neue digital
  • Altakten bei Bedarf scannen

Fehler 3: Kein Buy-in vom Team

Problem: Mitarbeiter drucken weiter aus, nutzen das DMS nicht.

Lösung:

  • Vorteile kommunizieren (nicht Kontrolle, sondern Erleichterung)
  • Schulung und Support
  • Drucker reduzieren (physisch weniger Möglichkeiten)

Fehler 4: GoBD ignorieren

Problem: Dokumente nicht revisionssicher, Ärger bei Prüfung.

Lösung:

  • GoBD-konformes DMS wählen
  • Verfahrensdokumentation erstellen
  • Im Zweifel: Steuerberater fragen

Checkliste: Papierloses Büro

Nutzen Sie diese Checkliste für Ihre Umstellung:

Vorbereitung:

  • [ ] Dokumentenarten inventarisiert
  • [ ] Mengen und Frequenzen ermittelt
  • [ ] Aufbewahrungsfristen geprüft
  • [ ] Budget festgelegt

Tools:

  • [ ] DMS ausgewählt und getestet
  • [ ] Scanner beschafft
  • [ ] Verfahrensdokumentation erstellt

Prozesse:

  • [ ] Ordnerstruktur/Tags definiert
  • [ ] Berechtigungen festgelegt
  • [ ] Workflows eingerichtet
  • [ ] Team geschult

Rollout:

  • [ ] Pilotbereich erfolgreich
  • [ ] Weitere Bereiche migriert
  • [ ] Lieferanten auf E-Rechnung umgestellt
  • [ ] Altakten-Strategie umgesetzt

Optimierung:

  • [ ] Automatisierung hinzugefügt
  • [ ] Drucker reduziert
  • [ ] Regelmäßige Reviews etabliert

ROI: Lohnt sich das papierlose Büro?

Eine Beispielrechnung für ein 10-Personen-Büro:

Kosten Papierbüro (pro Jahr):

| Position | Kosten |

|----------|--------|

| Papier, Druck, Toner | 2.500€ |

| Aktenschränke, Ordner | 500€ |

| Lagerraum (5m²) | 1.800€ |

| Suchzeit (2h/Woche × 10 MA) | 24.000€ |

| Gesamt | 28.800€ |

Kosten papierloses Büro (pro Jahr):

| Position | Kosten |

|----------|--------|

| DMS-Software | 3.600€ |

| Scanner (Abschreibung) | 300€ |

| Einrichtung (Jahr 1) | 2.000€ |

| Suchzeit (0,25h/Woche × 10 MA) | 3.000€ |

| Gesamt | 8.900€ |

Ersparnis: 19.900€/Jahr

Die Umstellung amortisiert sich oft im ersten Jahr.

Fazit

Das papierlose Büro ist keine Utopie, sondern Realität für viele Unternehmen. Mit der richtigen Strategie, passenden Tools und schrittweiser Umstellung gelingt auch Ihnen der Wandel.

Die wichtigsten Punkte:

  1. Struktur zuerst: Klare Ordnung ist wichtiger als teure Software
  2. Klein anfangen: Ein Bereich als Pilot, dann ausrollen
  3. Team mitnehmen: Schulung und Kommunikation entscheiden über Erfolg
  4. GoBD beachten: Revisionssichere Archivierung von Anfang an
  5. Konsequent bleiben: Papier komplett eliminieren, keine Parallelwelten

Der beste Zeitpunkt zur Umstellung ist jetzt. Jeder Tag mit Papier kostet Zeit und Geld.

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